Wie Erwartungen uns beeinflussen

aboutpixel.de Der Denker von Andreas Infurna

“Dieses Buch ist einfach super, das musst du unbedingt lesen!”, “Diesen Arzt kann ich dir auf jeden Fall empfehlen” oder “Mir hat die Stadt nicht so gut gefallen. Irgendwie war alles so dreckig da.”, mit solchen oder ähnlichen Sätzen sind wir jeden Tag konfrontiert. Freunde und Bekannte informieren uns über ihre Erfahrungen und auch wir geben unsere Meinung auf diese Art weiter. Wenn unsere Freunde uns dann zustimmen und bestätigen, dass der Arzt tatsächlich sehr kompetent war oder die Stadt tatsächlich schmutzig, fühlen wir uns bestätigt und glauben, eine objektive Meinung geäußert zu haben.

Dabei bleibt jedoch ein Aspekt vollkommen unberücksichtigt, der uns alle viel stärker beeinflusst, als uns bewusst ist: Die Erwartungshaltung, die durch solche Aussagen geweckt wird. Wenn wir uns zu einem Thema eine Meinung bilden, können wir gar nicht anders, als unsere Erwartungen einzubeziehen. Wenn wir erwarten, an jeder Straßenecke leere Flaschen zu sehen, werden wir danach schauen und sie so verstärkt wahrnehmen. Und jedes Mal werden wir denken “Der hatte recht, hier ist es wirklich dreckig”. So steuern unsere Erwartungen unsere Wahrnehmung.

Besonders schön verdeutlichen dies ein wissenschaftliches und ein unwissenschaftliches Experiment, über die Astrodictium Simplex berichtet: In dem wissenschaftlichen haben schweizer Forscher nachgewiesen, dass Weinkenner, die oftmals mit für Laien unverständlichen Geschmacksbeschreibungen um sich werfen, ihre Bewertung eines Weins davon abhängig machen, wie dieser von einem Experten-Kritiker bewertet wurde. Nicht bewusst, weil sie nicht zu sehr von der Expertenmeinung abweichen wollten, sondern tatsächlich weil sie den Geschmack des Weines anders wahrgenommen haben, während sie ihn getrunken haben.

Für den Geschmacksvergleich zwischen abgefülltem Wasser und Leitungswasser zeigt hingegen Penn & Teller: Bullshit! sehr schön auf, wie sehr uns die von Werbung und “Beratung” erzeugten Erwartungen in die falsche Richtung weisen: Teures, in Flaschen abgefülltes Wasser ist im allgemeinen weder durch seinen Geschmack noch durch seine Sauberkeit oder gesundheitsfördernde Wirkung von Leitungswasser zu unterscheiden:

Ich finde es immer wieder spannend, wie wenig wir Menschen doch intuitiv darüber wissen, wie unsere Wahrnehmung, unser Denken und Handeln eigentlich funktionieren und wie sehr wir von Prozessen gesteuert werden, die so überhaupt nicht zu unserem Selbstverständnis als selbstbestimmte, rationale und reflexive Wesen passen wollen.

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    Ein Kommentar

    1. Ich hab mal einen Colatest gemacht, weil wir herausfinden wollten, ob man wirklich einen Unterschied zwischen Coca Cola und Pepsi schmeckt oder ob einem das nur eingeredet wird. Mit verbundenen Augen habe ich Coca Cola, Pepsi und eine Billigcola getrunken und man hat tatsächlich einen Unterschied geschmeckt. Leider habe ich vergessen, ob Coca Cola oder Pepsi auf dem 1. Platz lag. Die Billigcola ist jedenfalls sofort ausgeschieden.

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