Weltenkreuzer

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Glück ist ein komisch Ding

Dass Glück sub­jek­tiv ist und eng mit der eige­nen Ein­stel­lung zusam­men­hängt, ist mit­tler­weile fast schon ein All­ge­mein­platz. Glück ist aber noch viel sub­jek­tiver als wir all­ge­mein annehmen. Men­schen sind jedoch nicht gut darin, abzuschätzen, was sie glück­lich macht und was nicht. So zeigt Dan Gilbert in seinem äußerst sehenswerten Vor­trag bei der TED-Konferenz, dass sich Men­schen oft­mals ger­ade für die Vari­ante entschei­den, die sie im Nach­hinein unglück­licher macht:

Er präsen­tiert dazu ein Exper­i­ment, bei dem in einem ersten Schritt aufgezeigt wird, dass es sich neg­a­tiv auf das sub­jek­tive Glück­sempfinden auswirkt, eine schwere Entschei­dung rück­gängig machen zu kön­nen. Im zweiten Schritt wird dann aber gezeigt, dass sich die Mehrheit der Proban­den dazu entschließt, sich diese Möglichkeit offen zu halten.

Diese Beobach­tung lässt sich ein­fach durch die Fähigkeit des Men­schen zur Dis­so­nanzre­duk­tion erk­lären: Wenn wir eine Entschei­dung endgültig getrof­fen haben, neigen wir im Nach­hinein dazu, diese “schönzure­den” und Argu­mente dage­gen schwächer zu bew­erten, anstatt zu ver­suchen, die Entschei­dung “nachträglich” zu opti­mieren. Auch hier präsen­tiert Gilbert äußerst span­nende Exper­i­mente, die nahele­gen, dass die kein bewusster Prozess ist, son­dern vielmehr ein unter­be­wusster Automa­tismus. Daran schließt sich die Frage an, warum diese Art des “sythetis­chen Glücks” eigentlich im all­ge­meinen niedriger bew­ertet wird, als das “natür­liche Glück”, wenn man bekommt, was man sich wünscht.

Die kog­ni­tiven Dis­so­nanzen wer­den auch dann erhöht, wenn uns eine große Auswahl an Optio­nen zur Ver­fü­gung steht (siehe auch Wollen wir wirk­lich die Wahl haben?). Denn nur dann bekom­men wir das Gefühl, durch unsere Entschei­dung tat­säch­lich etwas ändern zu kön­nen und ver­suchen, sie zu “opti­mieren”. Allerd­ings überschätzen Men­schen den langfristi­gen Ein­fluss bes­timmter Ereignisse auf ihr Glück­sempfinden mas­siv und sind so nicht in der Lage, tat­säch­lich opti­male Entschei­dun­gen zu treffen.

Was ler­nen wir daraus? Auch wenn alle Men­schen nach Glück streben, sind wir  doch meis­tens selbst das größte Hin­der­nis auf diesem Weg. Dabei geht es nicht in erster Linie um Diszi­plin, soziale Kom­pen­tenz oder Kar­riere, son­dern ein­fach um die Ein­stel­lung zum Leben: Glück­lich wird man dann, wenn man aufhört es zu suchen.

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Kategorie: Leben, Wissenschaft

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