Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

Gibt es eigentlich die Welt?

Denken wir mal ganz abstrakt und the­o­retisch: Woher weiß ich eigentlich, dass die Welt existiert? Klar, das ist eine Frage, wie sie in Lit­er­atur, Film und Fernse­hen schon oft gestellt wurde und die ger­ade mit der zunehmenden Vir­tu­al­isierung des Lebens immer drän­gen­der wird. Descartes bietet hierzu eine beson­ders schöne Argumentation:

Aus­ge­hend von seinem Dik­tum “Ich denke also bin ich” kommt er zu dem Ergeb­nis dass auch das, was “Ich” denkt oder fühlt existiert. Da es Dinge gibt, die “Ich” sinnlich wahrnehmen kann, muss diese Wahrnehmung, die sicher existiert, irgendwo ihren Ursprung haben. Descartes sieht dabei drei Möglichkeiten: die eigene Seele, Gott oder das tat­säch­lich existierende Ding. Die Seele kann es nicht sein, denn sie hat keine Kon­trolle über aus­gelöste Gefühle, Gott kann es auch nicht sein, denn der Ein­druck eines Dings, das nicht existiert wäre dann ein Trug­bild und Gott sei kein Betrüger. Also müssen solche Dinge außer­halb des “Ich” existieren.

Eine schöne Argu­men­ta­tions­figur, die gle­ichzetg gut aufzeigt, wie weit die Wis­senschaft und unsere Phan­tasie inzwis­chen fort­geschrit­ten sind — wenn auch zu dem Preis, dass der Exis­tenzbe­weis von Din­gen wohl immer noch nicht erbracht ist ;-) . Eine mod­erne Antwort auf Descartes kön­nte also fol­gen­der­maßen aussehen:

Die Seele kön­nte doch der Ursprung für die Wahrnehmungen sein, da sie nur zu einem äußerst geringem Teil der Kon­trolle des reflx­iven Bewusst­seins unter­liegt — Freud lässt grüßen.

Auch ein tran­szen­den­tales Wesen kön­nte der Ursprung sein, wenn es eigene Inter­essen ver­folgt und den Men­sch nicht als Krone der Schöp­fung, son­dern als Mit­tel zum Zweck sieht — Matrix lässt grüßen.

Und schließlich ist das ganze Prinzip “Beweis durch Auss­chluss aller anderen Mögichkeiten” kaum anwend­bar, wenn sich unendlich viele andere Möglichkeiten denken lassen.

Trotz­dem weist Descartes auf wichtige Aspekte hin: Damit ein Ding Gefühle aus­lösen kann, muss es existieren. Dann muss aber auch die “Seele” darauf ansprechen und dem Ding ein Gefühl “zuord­nen” und dass irgen­deine traszen­den­tale Kraft in der Entste­hung der Wahrnehmungsap­pa­rate des Men­schen und der “Seele” eine Rolle spielt, wird sich wohl nie endgültig wider­legen lassen…

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Kategorie: Wissenschaft

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