Die Probleme des Anfangs

Von XJasonRogersX (CC-BY)

Von Außen sieht es immer so einfach aus: Da ist eine kleine Fragestellung, eine übersichtliche Umfrage oder ein paar Interviews und am Ende steht der wissenschaftliche Artikel oder die Dissertation. Wer sich aber auch nur an einer Diplomarbeit versucht hat, der spürt am eigenen Leib, dass wenig so leicht ist, wie es scheint.

Ich weiß schon seit Langem, worüber ich in meiner Dissertation ungefähr schreiben möchte: Es soll um die soziale Konstruktion von Räumen gehen, also darum, wie sich Räume voneinander abgrenzen und welche Konsequenzen diese Abgrenzungen haben. Auch die sich öffnenden nationalen Grenzen innerhalb der Europäischen Union waren schnell als geeignetes Untersuchungsobjekt ausgemacht.

Nun fing die eigentliche Arbeit aber erst an. Zwar war "Raum" auch schon zentrales Thema in meiner Soziologie-Diplomarbeit, aber es ist sehr viel Literatur unbearbeitet geblieben. Mit dem Thema "Grenzen" und der geplanten sozial-psychologischen Ausrichtung kamen dann gleich noch zwei große Gebiete dazu. Nun bin ich also dabei, zu versuchen, irgendwie einen Überblick in diesem Wust zu behalten und gleichzeitig eine brauchbare Idee und Frage zu entwickeln. Es gibt unzählige Möglichkeiten, aber ich werde mich über kurz oder lang für eine entscheiden müssen.

Das wird keineswegs einfach, weil eine solche Frage verdammt viele Bedingungen erfüllen muss:

  • Sie muss interessant sein. Immerhin werde ich mich einige Jahre damit befassen und muss ausreichend motiviert sein, um den langen Atem dafür zu haben.
  • Sie muss relevant sein. Natürlich ist Wissenschaft nicht nur Selbstzweck, sondern sie dient dem allgemeinen Erkenntnisfortschritt und soll zudem auch für die "reale Welt" wichtig und hilfreich sein. Also muss man erstmal herausfinden, was die Wissenschaft noch nicht weiß und dann auch noch aufzeigen, wieso das irgendjemanden interessieren sollte.
  • Sie muss theoretisch fundierbar sein. Da ich ja versuche, Wissenschaft zu betreiben, kann ich leider nicht einfach mit dem Alltagsverstand an das Problem herangehen, sondern muss Begriffe voneinander abgrenzen und Zusammenhänge klar definieren.
  • Sie muss empirisch umsetzbar sein. Ich muss also eine Möglichkeit finden, die theoretische Fundierung und die Fragestellung in eine empirische Erhebung umzusetzen. Also eine Möglichkeit finden, das, was mich interessiert durch Interviews, einen Fragebogen oder auf andere Weise zusammenzutragen, um es dann auswerten zu können.

So, nun habt ihr mal nen kleinen Einblick in die erste Phase einer Dissertation bekommen. In Zukunft werde ich wahrscheinlich häufiger von meiner Forschungsfront berichten.

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    © 2012 · Weltenkreuzer · 26q, 0,561s