Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

Die Probleme des Anfangs

Von Außen sieht es immer so ein­fach aus: Da ist eine kleine Fragestel­lung, eine übersichtliche Umfrage oder ein paar Inter­views und am Ende steht der wis­senschaftliche Artikel oder die Dis­ser­ta­tion. Wer sich aber auch nur an einer Diplo­mar­beit ver­sucht hat, der spürt am eige­nen Leib, dass wenig so leicht ist, wie es scheint.

Ich weiß schon seit Langem, worüber ich in meiner Dis­ser­ta­tion unge­fähr schreiben möchte: Es soll um die soziale Kon­struk­tion von Räu­men gehen, also darum, wie sich Räume voneinan­der abgren­zen und welche Kon­se­quen­zen diese Abgren­zun­gen haben. Auch die sich öffnen­den nationalen Gren­zen inner­halb der Europäis­chen Union waren schnell als geeignetes Unter­suchung­sob­jekt ausgemacht.

Nun fing die eigentliche Arbeit aber erst an. Zwar war “Raum” auch schon zen­trales Thema in meiner Soziologie-Diplomarbeit, aber es ist sehr viel Lit­er­atur unbear­beitet geblieben. Mit dem Thema “Gren­zen” und der geplanten sozial-psychologischen Aus­rich­tung kamen dann gle­ich noch zwei große Gebi­ete dazu. Nun bin ich also dabei, zu ver­suchen, irgend­wie einen Überblick in diesem Wust zu behal­ten und gle­ichzeitig eine brauch­bare Idee und Frage zu entwick­eln. Es gibt unzäh­lige Möglichkeiten, aber ich werde mich über kurz oder lang für eine entschei­den müssen.

Das wird keineswegs ein­fach, weil eine solche Frage ver­dammt viele Bedin­gun­gen erfüllen muss:

  • Sie muss inter­es­sant sein. Immer­hin werde ich mich einige Jahre damit befassen und muss aus­re­ichend motiviert sein, um den lan­gen Atem dafür zu haben.
  • Sie muss rel­e­vant sein. Natür­lich ist Wis­senschaft nicht nur Selb­stzweck, son­dern sie dient dem all­ge­meinen Erken­nt­n­is­fortschritt und soll zudem auch für die “reale Welt” wichtig und hil­fre­ich sein. Also muss man erst­mal her­aus­finden, was die Wis­senschaft noch nicht weiß und dann auch noch aufzeigen, wieso das irgend­je­man­den inter­essieren sollte.
  • Sie muss the­o­retisch fundier­bar sein. Da ich ja ver­suche, Wis­senschaft zu betreiben, kann ich lei­der nicht ein­fach mit dem All­t­agsver­stand an das Prob­lem herange­hen, son­dern muss Begriffe voneinan­der abgren­zen und Zusam­men­hänge klar definieren.
  • Sie muss empirisch umset­zbar sein. Ich muss also eine Möglichkeit finden, die the­o­retis­che Fundierung und die Fragestel­lung in eine empirische Erhe­bung umzuset­zen. Also eine Möglichkeit finden, das, was mich inter­essiert durch Inter­views, einen Frage­bo­gen oder auf andere Weise zusam­men­zu­tra­gen, um es dann auswerten zu können.

So, nun habt ihr mal nen kleinen Ein­blick in die erste Phase einer Dis­ser­ta­tion bekom­men. In Zukunft werde ich wahrschein­lich häu­figer von meiner Forschungs­front berichten.

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Kategorie: Leben, Wissenschaft

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