Weltenkreuzer

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Die Gene und der freie Wille

Ist der Einzelne wirk­lich frei darin, zu Han­deln wie es ihm beliebt? Gibt alleine unser Ver­stand uns vor, wie wir uns zu ver­hal­ten haben?

Als Sozial­wis­senschaftler kann ich dazu nur eines sagen: keines­falls. Dabei sind es nicht nur soziale Erwartun­gen, erlernte Ver­hal­tensweisen und Gesetze, die unser Han­deln prä­gen. Darunter liegt noch eine viel grundle­gen­dere Kraft, die unser Leben und Han­deln bes­timmt: unsere Gene. Sie sind die Bauan­leitung für dieses Kon­strukt, das wir Kör­per nen­nen. Sie geben vor, wie sich Zellen entwick­eln und in welcher Art und Weise sie aneinan­derge­fügt wer­den. Sie sind es auch, die die Grund­struk­tur dessen fes­tle­gen, was wir als den Ort unseres “freien Wil­lens” aus­gemacht haben: des Gehirns.

Diese Struk­tur aus Ner­ven­zellen, die miteinan­der ver­bun­den sind und deren Verknüp­fun­gen sich durch Lern­prozesse ver­stärken kön­nen, bildet die Grund­lage unserer Exis­tenz. Ist sie bei wenig entwick­el­ten Tieren nur eine Verdick­ung, an der unter­schiedliche Ner­ven­stränge aufeinan­dertr­e­f­fen, stellt sie bei uns Men­schen ein hochkom­plexes Net­zw­erk dar, das es schafft, uns das einzuhauchen, was wir “Bewusst­sein” nennen.

Wer diese Argu­men­ta­tion durch­denkt, kommt schnell zu dem Fehlschluss, dass der Men­sch also nichts anderes sei als eine Mas­chine, die durch ihre Bauan­leitung deter­miniert ist. Dies wider­spricht unserem Selb­stver­ständ­nis als intel­li­gente und “freie” Lebe­we­sen aber so sehr, dass man geneigt ist, die genetis­che Erk­lärung der Entste­hung des Bewusst­seins abzulehnen. Dabei überse­hen die meis­ten jedoch zwei Aspekte, die diese Sicht weniger bedrohlich erscheinen lassen:

  1. Die Gene bes­tim­men nur die Hard­ware, nicht die Inhalte
  2. Aus kom­plexen Sys­te­men kön­nen Dinge entste­hen, die sich nicht alleine durch die einzel­nen Bestandteile des Sys­tems erk­lären lassen (Emergenz)

Die Gene deter­minieren nur die grundle­gen­den Funk­tio­nen des Gehirns, sozusagen die Hard­ware. Die Soft­ware, also das, was wir ler­nen, welchen Charak­ter wir entwick­eln und wie wir die Welt sehen entstammt nicht nur den Genen, son­dern unserer Umwelt und unserer Sozial­i­sa­tion. Im Ver­laufe unseres Lebens begeg­nen wir so vie­len Men­schen, so vie­len Ein­drücken und so vie­len Infor­ma­tio­nen, dass jeder von uns einen eige­nen Wis­sensvor­rat in seinem Kopf hat. Auf der Grund­lage dieses Wis­sensvor­rates tre­f­fen wir wiederum unsere Entschei­dun­gen. Dieser Wis­sensvor­rat ist es, der unser Han­deln prägt und unser Leben bes­timmt. Die Prozesse, aus denen aus diesem Wis­sen Han­deln entsteht, sind dann aber wahrschein­lich wieder bei jedem von uns gle­ich. Damit wären wir dann nicht mehr eine von unseren Genen bes­timmte Mas­chine, son­dern ein Pro­dukt unserer bish­eri­gen Erfahrun­gen, aus denen in einem hochkom­plexen Prozess, der bisher nur in winzi­gen Auss­chnit­ten erk­lärt wer­den kann unser Handeln.

Und zum Thema Emer­genz schreibe ich in den näch­sten Tagen mehr…

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Kategorie: Wissenschaft

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