Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

Wissenschaftlicher Werkzeugkasten: Citavi

Momen­tan kämpfe ich ein wenig mit der Lit­er­aturver­wal­tung, weil mich hier zwei Tools in unter­schiedlichen Bere­ichen vol­lkom­men überzeu­gen und ich noch nicht genau weiß, wie ich diese Stärken zusam­men nutzen kann. Den Anfang macht an dieser Stelle Citavi, der Nach­fol­ger der Free­ware Lit­eRat:

Das Pro­gramm lässt sich grob in drei Teile unterteilen, die jew­eils einen wichti­gen Aspekt der Lit­er­at­u­rar­beit abdecken: Quellen-, Wis­sens– und Aufgabenverwaltung.

Quel­len­ver­wal­tung

citavi_lit

Die Samm­lung von Quel­lenangaben und die entsprechende Umset­zung in ein schönes und kor­rek­tes Lit­er­aturverze­ich­nis umzuset­zen ist sicher­lich die Haup­tauf­gabe jedes Pro­gramms zur Lit­er­aturver­wal­tung. Citavi bietet hier unzäh­lige ver­schiedene Doku­ment­typen für die spez­i­fisch alle rel­e­van­ten und unwichti­gen Angaben gesam­melt wer­den kön­nen; bis hin zu Inhaltsverze­ich­nis, Abstract, Erstveröf­fentlichungs­da­tum und vielem Anderen mehr. Diese Daten kön­nen natür­lich auch aus anderen Ver­wal­tung­spro­gram­men importiert wer­den und Daten­banken und Kat­a­loge kön­nendi­rekt aus Citavi her­aus durch­sucht wer­den. Diese Import– und Recherche­funk­tio­nen sind jedoch in meinen Augen einer der Schwach­punkte von Citavi: Zu unüber­sichtlich ist die Recherche und zu fehler­an­fäl­lig der Import, auch wenn mit End Note, Bib­Tex und RIS alle wichti­gen For­mate unter­stützt werden.

Ein echtes Prunk­stück ist jedoch die For­matierung von Quel­len­nach­weisen im Text und von Lit­er­aturverze­ich­nis­sen: Beim Schreiben des Textes in Microsoft Word oder Open Office kann man entweder per Assis­tent Zitate und Nach­weise ein­fü­gen, oder ein­fach im Text sel­ber die Quellen ein­tip­pen. Nutzt man dafür geschweifte Klam­mern anstatt nor­maler und ver­wen­det die Zita­tion mit Nach­name und Jahr kann Citavi zum Abschluss das kom­plette Doku­ment in einem Rutsch kor­rekt for­matieren. Auf diese Weise kann man im ganz nor­malen Schreibfluss das Doku­ment gle­ich so gestal­ten, dass Citavi es ver­wen­den kann, ohne jedes­mal klicken oder suchen zu müssen. Der Zita­tion­sstil, der stan­dard­mäßig eingestellt ist, reicht für alle Rou­tineauf­gaben ohne spez­i­fis­che Vor­gabe vol­lkom­men aus, kann aber auch durch den Import unzäh­liger Standard-Stile ersetzt oder mit einem etwas unüber­sichtlichen aber sehr mächti­gen Edi­tor angepasst werden.

Wis­sens­man­age­ment

citavi_wissen Aber nicht nur Quel­lenangaben kann man mit Citavi ver­wal­ten, son­dern auch der Inhalt der Texte lässt sich sys­tem­a­tisieren. Dazu bietet das Pro­gramm die Möglichkeit, Zitate und Ideen zu sam­meln, die man den Tex­ten zuord­nen kann. Diese Auss­chnitte und Zusam­men­fas­sun­gen lassen sich dann in einen Kat­e­gorien­baum einord­nen, in dem man sie dann auch unab­hängig von den Tex­ten ver­wal­ten, sortieren und betra­chten kann. So kann man einen kom­plet­ten Text vorstruk­turi­eren und hat notwendige Quellen und Zitate gle­ich zur Hand. Für mich ist diese Möglichkeit das absolute Argu­ment, Citavi zu nutzen, weil man einen übersichtlichen Ein­druck von den Inhal­ten bekommt. Große Pro­jekte wer­den an dieser Stelle jedoch auch ein wenig unüber­sichtlich, weil schnell mehrere hun­dert Zitate zusammenkommen.

Das führt auch gle­ich zu einer weit­eren Eigen­heit von Citavi, die bei großen Lit­er­aturbestän­den zu einem Nachteil wird: Das Pro­gramm ist in seiner Logik an Textpro­jek­ten ori­en­tiert. So stellt jede Datei im Prinzip den Hin­ter­grund zu einer wis­senschaftlichen Arbeit dar und weniger die Samm­lung aller rel­e­van­ten Lit­er­atur zu einem Thema. Dementsprechend ist auch der Kat­e­gorien­baum auf einen konkreten Text aus­gelegt. Sobald man Citavi eher explo­rativ nutzen will, um sich einen Überblick über die schon gele­sene Lit­er­atur zu ver­schaf­fen, wird es zwangsläu­fig ein wenig unüber­sichtlich. Auch lassen sich Texte nicht von vorn­herein in einen hier­ar­chis­chen Baum ein­sortieren. Immer, wenn man mit einer Datei arbeitet, wer­den alle Texte gle­ichrangig gese­hen und auch Irrel­e­vantes wird angezeigt. Große Lit­er­atur­samm­lun­gen wer­den daher ziem­lich unübersichtlich.

Auf­gaben­ver­wal­tung

citavi_aufgaben Schließlich lassen sich auch literatur-bezogene Auf­gaben mit Citavi ver­wal­ten. So kann man jedem Text eine oder mehrere Auf­gaben zuweisen und diese auch pri­or­isieren. Diese kann man sich dann gefiltert anzeigen lassen. Dieses Fea­ture habe ich jedoch nie wirk­lich genutzt.

Fazit

Ins­ge­samt kann ich Citavi, das es für Pro­jekte mit weniger als 100 Quellen gratis gibt, jedem an’s Herz legen, der während seines Studi­ums wis­senschaftliche Arbeiten zu ver­fassen hat. Auch für Diplo­mar­beiten oder Dis­ser­ta­tio­nen bietet sich Citavi als unent­behrlicher Helfer an. Die Möglichkeit, Inhalte zu struk­turi­eren und die vor­bildliche automa­tis­che Erstel­lung von Lit­er­aturverze­ich­nis­sen sind ungeschla­gen. Auch braucht Citavi keine lange Einar­beitungszeit, denn die Ober­fläche ist übersichtlich und wird bei Bedarf gut erläutert. Weniger geeignet ist Citavi jedoch für die Ver­wal­tung von großen Lit­er­atur­samm­lun­gen und das Man­age­ment von Quellen und Wis­sen unab­hängig von konkreten Textprojekten.

Be Socia­ble, Share!
Kategorie: Wissen schaffen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*