Mendeley und Elsevier — Ein Deal mit dem Teufel?

Die Samm­lung und Ver­wal­tung von Quel­len und Zita­ten ist einer der wich­tigs­ten Berei­che für den Wis­sen­schaft­ler — gerade in einer so text­las­ti­gen Wis­sen­schaft wie der Sozio­lo­gie. Wäh­rend mei­ner Dis­ser­ta­tion habe ich mich dabei in ers­ter Linie auf das Pro­gramm Men­de­ley ver­las­sen, das damals als Ein­zi­ges in der Lage war, bequem mit gro­ßen Samm­lun­gen (mehr als 1000 Texte) umzu­ge­hen und auch PDF-Dateien zu ver­wal­ten. Dazu kommt die unglaub­lich prak­ti­sche Syn­chro­ni­sa­tion von Daten, PDFs und Noti­zen über meh­rere Rech­ner hinweg.

Umso irri­tier­ter war ich, als ich letzte Woche davon las, dass der Wis­sen­schafts­ver­lag Else­vier jetzt wohl die Fin­ger nach dem Lon­do­ner Start-up aus­ge­streckt hat. Gerade das Unter­neh­men, das in der letz­ten Zeit im Mit­tel­punkt der Kri­tik der Open-Access-Initiative stand — bis hin zu einem Boy­kott, dem sich mitt­ler­weile mehr als 13.000 Wis­sen­schaft­ler ange­schlos­sen haben. Das wäre jetzt halb so wild, wenn es nur um das Pro­gramm an sich ginge, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob Else­vier den doch sehr offe­nen Kurs von Men­de­ley mit der Nut­zung offe­ner Stan­dards und einer recht umfas­sen­den API tat­säch­lich in die­ser Form wei­ter ver­fol­gen würde. Viel pro­ble­ma­ti­scher finde ich den Zugriff auf die Ser­ver und damit die Dateien und Daten der Nut­zer, den Else­vier damit unwei­ger­lich gewin­nen würde.

Viel­leicht tu ich dem nie­der­län­di­schen Ver­lag damit auch unrecht und er sieht den mög­li­chen Ankauf von Men­de­ley tat­säch­lich als einen Weg, sein Geschäfts­mo­dell nach und nach auf offe­nere Pro­zesse im Sinne eines Open Access umzu­stel­len, aber man möge mir ver­zei­hen, wenn ich da skep­tisch bin.

Eigent­lich dachte ich, das Pro­blem der Lite­ra­tur­ver­wal­tung für die nächste Zeit gelöst zu haben, aber gerade scheint es mir so, als müsste ich viel­leicht doch wie­der auf die Pirsch gehen. Alter­na­ti­ven scheint es ja mitt­ler­weile zu geben…

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