Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

Glück und Glück sind nicht dasselbe

Mal wieder ist ein TED-Vortrag, der mich zu einem weit­eren Beitrag über das Denken und Empfinden des Men­schen ver­an­lasst. Der Begrün­der der Ver­hal­tensökonomik (Behav­ioral Eco­nom­ics), Daniel Kah­ne­man, präsen­tiert darin einige span­nende Gedanken darüber, wie sich das konkrete, in dem Moment erlebte, Glück und das erin­nerte Glück und die Zufrieden­heit mit dem eige­nen Leben auseinanderdriften.

(Deutsche Unter­ti­tel ver­füg­bar: View Sub­ti­tles –> Ger­man)

Dazu unter­schei­det er zwis­chen dem empfind­en­den und dem erin­nern­den Ich. Während das Eine sich auf die spez­i­fis­chen, in einem konkreten Moment emp­fun­de­nen Emo­tio­nen bezieht, stellt das Andere die Erin­nerun­gen und die nachträgliche Ein­schätzung von Ereignis­sen und Emo­tio­nen dar. Dass beide keineswegs der­sel­ben Logik fol­gen, legt er an einem sehr ein­fachen Beispiel dar:

Fall 1: Eine schmerzhafte medi­zinis­che Unter­suchung dauert fünf Minuten und endet kurz nach dem Moment des höch­sten Schmerzes.

Fall 2: Dieselbe Behand­lung dauert nun zehn Minuten. Die ersten fünf ver­laufen genau so, wie in Fall 1, es folgt dann jedoch noch ein wenig leichter Schmerz.

Befragt man nun Men­schen, die sich einer der bei­den Behand­lun­gen unter­zo­gen haben, empfinden diejeni­gen, die Behand­lung 2 erfahren haben, die gesamte Proze­dur als angenehmer! Obwohl sie in Summe deut­lich mehr Schmerz emp­fun­den haben und auch ihr höch­ster Schmerz nicht unter dem der anderen Gruppe lag, bew­erten sie diesen Schmerz deut­lich weniger neg­a­tiv. Stattdessen führt das san­fte Aus­laufen am Ende dazu, dass sie sich an den abklin­gen­den Schmerz erin­nern und die schlimm­sten Momente in den Hin­ter­grund rücken.

Span­nende Ideen, mit denen Kah­ne­man mal wieder die ein­fachen Vorstel­lun­gen über den Men­schen, die lei­der noch in vie­len Wis­senschaften vorherrschen, wider­legen kann.

(Quelle: ted.com)

Schöne und bezahlbare Büroausstattung aus Holz

Bei unserem entspan­nten Bum­mel durch Ham­burg gestern, sind wir direkt am Bahn­hof auf ein tolles Geschäft gestoßen: Im Werkhaus–Shop gibt es ein­er­seits mit Fotos bedruckte Hocker aus Holz­faser­plat­ten und ander­er­seits, wie es die Überschrift schon andeutet, toll designte und gut bezahlbare kleine und große Helfer­lein für Büro und Schreibtisch. Die Sachen sind wie die Hocker aus Holz­faser­plat­ten hergestellt, die sich über ein cleveres Stecksys­tem sehr ein­fach zusam­men­bauen lassen. An Far­ben gibt es meist Natur, Goldgelb, Dunkel­rot und Dunkel­grau zur Auswahl. Außer­dem gibt es einige Serien, die eben­falls mit Fotos bedruckt sind.

Werkhaus hat in Bad Boden­te­ich in der Nähe von Uelzen seinen Sitz und pro­duziert dort, wie es scheint, auch seine Waren. Dabei hat sich das Ehep­aar Dan­neberg eine nach­haltige und ökol­o­gisch ver­ant­wor­tungsvolle Pro­duk­tion­sweise auf die Fah­nen geschrieben.

Mir fiel die Auswahl dann auch nicht leicht, da ich von den vie­len tollen Sachen nur wenige wirk­lich brauchen kon­nte. Daher gab es am Ende dann einen Briefa­blagekorb und einen sehr prak­tis­chen Zettelka­s­ten in Dunkel­rot, sowie einen Notizblock zum Thema Landkarten:

briefablage zettelkasten block

Für alle, die nicht so leicht nach Ham­burg kom­men, gibt es Werkhaus-Artikel auch in einem eige­nen Online-Shop.

Extremismus in der Debatte ums Internet

Lawrence Lessig hat mal wieder einen wirk­lich guten Vor­trag gehal­ten. Dies­mal am 11. März vor dem ital­ienis­chen Par­la­ment. Mit seinen unnachahm­lichen Folien hat er sich dies­mal der Debatte um das Inter­net gewid­met und den ital­ienis­chen Poli­tik­ern erläutert, wie sie in dort wieder an Boden gewin­nen können:

Er stellt die Hypothese auf, dass der zukün­ftige Umgang mit dem Netz in einem Kon­flikt zwis­chen der Gen­er­a­tion der “Alten” und der der “Jun­gen” gestal­tet wird. Während die Jun­gen fordern, die gesamte Gesellschaft radikal an den Struk­turen und Möglichkeiten, des Netz’ auszurichten, ver­teufeln die Alten die neuen Möglichkeiten und tun alles in ihrer Macht ste­hende, die alten Struk­turen zu erhal­ten. Beide überse­hen dabei jedoch die jew­eilige Gegen­seite und gehen nicht auf deren Bedenken und Argu­mente ein. Stattdessen nimmt die Debatte fast schon extrem­istis­che Züge an. Er fordert Poli­tiker dazu auf, einen vernün­fti­gen und reifen Umgang mit dem Netz zu entwick­eln, der die neuen Möglichkeiten und Chan­cen im Sinne von Leben­squal­ität, Wirtschaft und Demokratie zur Ent­fal­tung bringt und die neg­a­tiven Seiten da, wo sie gesellschaftlich — nicht wirtschaftlich(!) — Prob­leme verur­sachen abzufedern.

Es freut mich, dass sich eines der zen­tralen Argu­mente meines eige­nen Vor­trags let­zten Dien­stag auch in der Ansprache dieses renom­mierten Internet-Aktivisten wiederfindet. Ich denke, die Zeit, in der beide Seiten Extrem­po­si­tion vertreten, um ihre Claims abzustecken und dem Gegenüber Stärke zu demon­stri­eren, soll­ten mit­tler­weile vor­bei sein. Vielle­icht wird es Zeit für inten­sive Gespräche zwis­chen Poli­tik­ern, Net­za­k­tivis­ten und Wirtschaftsvertretern, in denen Chan­cen dargelegt und Bedenken for­muliert wer­den, die dann in einer ehrlichen und offe­nen Debatte disku­tiert wer­den. Ich hoffe, dass dies der Weg sein wird, den Deutsch­land nehmen wird, aber wenn ich mir unsere poli­tis­che Kaste momen­tan ansehe, bin ich da lei­der skeptisch.

(Quelle: blip.tv, via netzpolitik.org)

Nachlese “Sillensteder Gespräche”

Ger­ade komme ich aus dem Gemein­de­saal in Sil­len­st­ede (Land­kreis Fries­land), wo ich meinen Abend damit ver­bracht habe, 60 oder 70 inter­essierten Zuhör­ern zu erzählen, wie das Inter­net unsere Gesellschaft verän­dert (hat). Die guten und span­nen­den Fra­gen im Anschluss haben den Abend dann für mich zu einer wirk­lich run­den Ver­anstal­tung gemacht. Danke allen, die da waren!

Da ich vorhin sehr viel über Inter­netkom­pe­tenz gere­det habe, ist mir noch mal bewusst gewor­den, wie wichtig dieses Thema für uns in Zukunft sein wird. Und da ich auch einen kleinen Beitrag dazu leis­ten möchte, gibt es extra für die inter­essierten Besucher von heute Abend (aber natür­lich auch alle anderen Leser) in der näch­sten Zeit hier ein paar Artikel, Links und Tipps zum Umgang mit dem Netz.

NACHTRAG 10.03.2010: Nach­dem ich eine Möglichkeit gefun­den habe, Slideshare die Folien halb­wegs vernün­ftig anzeigen zu lassen, hier meine Präsen­ta­tion von gestern Abend:

Wilhelmshavener Zeitung – der vollständige Artikel

Am Dien­stag werde ich im Rah­men der Vor­tragsreihe “Sil­len­st­eder Gepräche” in der Gemeinde Schort­ens in der Nähe von Wil­helmshaven einen Vor­trag zum Thema “Wie das Inter­net die Gesellschaft verän­dert” hal­ten (9. März, 19:30, Gemein­de­haus der Gemeinde Sil­len­st­ede). Um diesen zu bewer­ben, hat mich der Ver­anstal­ter gebeten, einen Artikel für die Wil­helmshavener Zeitung zu ver­fassen. Dieser ist heute dann auch erschienen – zumin­d­est in der Online-Version. Allerd­ings ist von dem, was ich geschrieben habe, und dem, was ich aus­drücke wollte, wenig übrig geblieben. Der Artikel wurde mas­siv gekürzt und in eine Form gebracht, die sprach­lich unsauber ist und nicht mehr meine eigentliche Aus­sage rüber­bringt. (UPDATE 09.03.10: In der Druck­aus­gabe der WZ ist der Artikel voll­ständig erschienen) Daher an dieser Stelle Hier der Artikel in meiner Originalfassung:

Die Bestei­gung des Datenbergs

Wie ein­fach war die Welt noch vor zwanzig Jahren: Da gab es die lokale Tageszeitung, vielle­icht noch eine der großen deutsch­landweiten Zeitun­gen, die Tagess­chau und den lokalen Radiosender. Diese informierten über das aktuelle Geschehen und ord­neten es in einen größeren Zusam­men­hang ein. So bekam man Tag für Tag ein fer­tiges Paket an Infor­ma­tio­nen, das ein­heitlichen Stoff für die Gespräche an der Kaf­feemas­chine, in der Kan­tine, am Abend­brot­tisch und am Stammtisch lieferte. Es gab nur wenige Zeitun­gen, denn Papier, Druck und die Verteilung an Abon­nen­ten und Kioske waren teuer. Auch existierten nur wenige Radio– und Fernsehsender, denn Fre­quen­zen waren knapp und wur­den staatlich zugewiesen, und die Tech­nik war kom­pliziert — und teuer.

Dann kam das Inter­net und ermöglichte es jedem, der einen Com­puter besaß, seine Mei­n­ung und sein Wis­sen mit der Welt zu teilen. Es dauerte auch nicht lange und viele nutzten diese Möglichkeit, ihr Wis­sen, ihre Mei­n­un­gen und Analy­sen aktueller Entwick­lun­gen zu veröf­fentlichen. Bis heute wächst dieser Schatz an Wis­sen an — Tag für Tag. Immer mehr Infor­ma­tio­nen — aktuelle und his­torische — finden sich im Inter­net, gle­ich neben wertvollen wie wert­losen Ein­schätzun­gen und Kom­mentaren. Die fer­ti­gen Pakete, die die Welt damals sehr ein­fach erscheinen ließen, sind heute nicht mehr die einzige Möglichkeit, sich zu informieren. Sie lassen sich auf­schnüren und in kleine Bestandteile zer­legen, bei denen jeder genau das lesen, hören und sehen kann, was ihn inter­essiert. Die Ergeb­nisse der Fußball-Bezirksliga Bodensee sind genauso leicht zu bekom­men wie die der Bun­desliga, das Abstim­mungsver­hal­ten der Abge­ord­neten der Par­la­mente ist oft­mals frei ein­se­hbar, und eine Unzahl von Blogs und anderen Web­seiten kom­men­tiert in einem unabläs­si­gen Strom das poli­tis­che Geschehen, aktuelle Filme und jedes erden­kliche Spezialthema.

Dadurch, dass es so leicht und bil­lig gewor­den ist, Dinge an die Öffentlichkeit zu tra­gen, hat sich ein unüber­schaubarer Daten­berg gebildet, in dem das Wichtige und qual­i­ta­tiv Hochw­er­tige oft schwer zu finden ist. Trotz­dem ist dieser Daten­berg der Anfang einer kul­turellen und sozialen Rev­o­lu­tion, wie wir sie vielle­icht seit dem Entste­hen des Buch­drucks und der Zeitung nicht erlebt haben. Wie immer gibt es bei solchen Umbrüchen Vor– und Nachteile, Gewin­ner und Ver­lierer. Es gibt die, die an Alt­be­währtem fes­thal­ten, und die, die den Wan­del vorantreiben; Kon­flik­tlin­ien entste­hen, und es bilden sich neue Grup­pen, die ihre Inter­essen und Überzeu­gun­gen vertreten.

Einen Ein­blick in diesen tief­greifenden gesellschaftlichen Wan­del und die Kon­flikte, die sich aus ihm ergeben, bekom­men Sie am Dien­stag, den 9. März ab 19:30 im Gemein­de­saal der Gemeinde Sillenstede.

Kampagne für die Lebensmittel-Ampel

Die Debatte um die kor­rekte Kennze­ich­nung der Bestandteile von Lebens­mit­teln ist ja schon etwas älter. Auf poli­tis­cher Ebene ist die Entschei­dung aber noch nicht gefallen und so startet die Organ­i­sa­tion Food­watch jetzt per Video eine Kam­pagne für die von Ver­brauch­er­schutz– und Gesund­heit­sor­gan­i­sa­tio­nen geforderte “Lebensmittel-Ampel” (Wis­senschaft, Krankenkassen, Ver­braucher, Bun­destagskan­di­daten) und gegen die von der Indus­trie vorgeschla­gene Kennze­ichung der “Guide­line Daily Amounts”.

Damit ihr euch einen Ein­druck von bei­den Möglichkeiten ver­schaf­fen könnt, hier die von Food­watch erstell­ten Kennze­ich­nun­gen für ein beliebtes Kinder­früh­stück aus Weizen-Pops und Honig:

kelloggs_smacks Ampel_KellogsSmacks_300dpi_4x5

Für mich ist ziem­lich ein­deutig, dass die rechte Ver­sion wesentlich klarer zeigt, wie viel Zucker in so einer kleinen Por­tion lauert. Damit wird aber auch klar, dass die Lebens­mit­telin­dus­trie nicht das ger­ing­ste Inter­esse daran hat, diese Kennze­ich­nung zwin­gend auf ihren Ver­pack­un­gen anbrin­gen zu müssen. Stattdessen wird die linke Kennze­ich­nung propagiert, die auf eine präg­nante far­bliche Kennze­ich­nung verzichtet und mit der Por­tion­s­größe eine Möglichkeit für die Her­steller bietet, das Ver­gle­ichen der Angaben auf unter­schiedlichen Pro­duk­ten deut­lich zu erschweren.

Sicher, die Ampel ist nicht per­fekt. Die Gren­zen sind let­z­tendlich willkür­lich gewählt und auch nicht auf spezielle Pro­duk­t­grup­pen zugeschnit­ten, aber besser als die blasse und im End­ef­fekt kaum Ver­gle­iche erlaubende GDA-Kennzeichnung ist sie schon lange.

Bei der EU wird momen­tan über diesen Punkt disku­tiert und, wie kaum anders zu erwarten, scheinen sich die Lob­by­is­ten mit der GDA-Kennzeichnung durchzuset­zen, was eine verpflich­t­ende Ampel in Deutsch­land wohl unmöglich machen würde. Um das zu ver­hin­dern, hat Food­watch bere­its vor zwei Jahren eine E-Mail-Kampagne ges­tartet, an der ihr euch gerne beteili­gen könnt.

Wissenschaftsmusik

Es gibt ja das alt­bekan­nte Vorurteil, Natur­wis­senschaften seien trocken und für Außen­ste­hende kaum ver­ständlich. Für  Fachar­tikel und wis­senschaftliche Bücher gilt das sicher­lich, aber glück­licher­weise gibt es da draußen viele, die sich darum bemühen, sie leicht ver­ständlich und unter­halt­sam aufzu­bere­iten und zu präsen­tieren. Einer davon in der Musiker John Boswell, der Auss­chnitte aus Videos und Reden bekan­nter Wis­senschaftler und Wis­senschaft­spräsen­ta­toren wie Carl Sagan, Richard Dawkins oder David Atten­bor­ough hern­immt und  sie mit span­nen­den Bildern und elek­tro­n­is­cher Musik zur Sym­phony of Sci­ence zusam­men­fügt. Hier sind meine bei­den Favoriten:

 

 

Mehr gibt es auf der Home­page www.symphonyofscience.com oder bei Youtube.