Kampagne für die Lebensmittel-Ampel

Die Debatte um die korrekte Kennzeichnung der Bestandteile von Lebensmitteln ist ja schon etwas älter. Auf politischer Ebene ist die Entscheidung aber noch nicht gefallen und so startet die Organisation Foodwatch jetzt per Video eine Kampagne für die von Verbraucherschutz- und Gesundheitsorganisationen geforderte “Lebensmittel-Ampel” (Wissenschaft, Krankenkassen, Verbraucher, Bundestagskandidaten) und gegen die von der Industrie vorgeschlagene Kennzeichung der “Guideline Daily Amounts”.

Damit ihr euch einen Eindruck von beiden Möglichkeiten verschaffen könnt, hier die von Foodwatch erstellten Kennzeichnungen für ein beliebtes Kinderfrühstück aus Weizen-Pops und Honig:

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Für mich ist ziemlich eindeutig, dass die rechte Version wesentlich klarer zeigt, wie viel Zucker in so einer kleinen Portion lauert. Damit wird aber auch klar, dass die Lebensmittelindustrie nicht das geringste Interesse daran hat, diese Kennzeichnung zwingend auf ihren Verpackungen anbringen zu müssen. Stattdessen wird die linke Kennzeichnung propagiert, die auf eine prägnante farbliche Kennzeichnung verzichtet und mit der Portionsgröße eine Möglichkeit für die Hersteller bietet, das Vergleichen der Angaben auf unterschiedlichen Produkten deutlich zu erschweren.

Sicher, die Ampel ist nicht perfekt. Die Grenzen sind letztendlich willkürlich gewählt und auch nicht auf spezielle Produktgruppen zugeschnitten, aber besser als die blasse und im Endeffekt kaum Vergleiche erlaubende GDA-Kennzeichnung ist sie schon lange.

Bei der EU wird momentan über diesen Punkt diskutiert und, wie kaum anders zu erwarten, scheinen sich die Lobbyisten mit der GDA-Kennzeichnung durchzusetzen, was eine verpflichtende Ampel in Deutschland wohl unmöglich machen würde. Um das zu verhindern, hat Foodwatch bereits vor zwei Jahren eine E-Mail-Kampagne gestartet, an der ihr euch gerne beteiligen könnt.


Wissenschaftsmusik

Es gibt ja das altbekannte Vorurteil, Naturwissenschaften seien trocken und für Außenstehende kaum verständlich. Für  Fachartikel und wissenschaftliche Bücher gilt das sicherlich, aber glücklicherweise gibt es da draußen viele, die sich darum bemühen, sie leicht verständlich und unterhaltsam aufzubereiten und zu präsentieren. Einer davon in der Musiker John Boswell, der Ausschnitte aus Videos und Reden bekannter Wissenschaftler und Wissenschaftspräsentatoren wie Carl Sagan, Richard Dawkins oder David Attenborough hernimmt und  sie mit spannenden Bildern und elektronischer Musik zur Symphony of Science zusammenfügt. Hier sind meine beiden Favoriten:

 

 

Mehr gibt es auf der Homepage www.symphonyofscience.com oder bei Youtube.


Wir brauchen eigentlich keine Staatszensur mehr

Wenn sich der Trend fortsetzt und immer mehr Menschen das Internet in erster Linie über Apps auf iPhone, iPod oder iPad nutzen und der Browser als zentrales Werkzeug des Internets ausgedient hat, braucht es keine staatliche Zensur mehr, um das  Internet zu verkrüppeln. Dann liegt es in der Macht einzelner Unternehmen, zu bestimmen, was die User zu sehen bekommen. Keine wirklich schöne Aussicht: Das Aus für die Bild-Iphone-App?


Warum geklaute Filme besser sind als gekaufte

macht der reddit-User Question Everything sehr schön anhand einer Grafik deutlich:

(gefunden bei Spreeblick)


Was man aus dem Scheitern lernen kann und warum Phantasie wichtig ist

Bislang kannte ich Joanne K. Rowling nur als Autorin der bekannten Harry Potter Bücher. Jetzt bin ich auf ein Video gestoßen, das einen Vortrag zeigt, den sie auf dem Jahrestreffen der Alumnis der Universität Harvard gehalten hat. Darin redet sie über den Nutzen des Scheiterns – wie es einem dabei hilft, sich auf das Wichtige zu besinnen und Überflüssiges abzulegen – und die wichtige Funktion der Phantasie – wie sie es uns ermöglicht, uns in andere Menschen einzufühlen und ihre Gefühle zu teilen. Und da Rowling nicht nur gute Bücher schreiben, sondern auch verdammt gut und unterhaltsam reden kann, möchte ich euch jetzt nicht länger von dem Vortrag abhalten:

(Harvard Magazine)


Westerwelle hat vollkommen recht, aber…

Mometan wird ja viel Kritik über Guido Westerwelle ausgeschüttet und das nicht zu unrecht. Allerdings kann man nicht behaupten, dass er falsch läge, wenn er fordert

Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet.

Auch seine prominente Formulierung

Mehr und mehr werden diejenigen, die arbeiten in Deutschland, zu den Deppen der Nation.

ist keineswegs falsch. Er hat sich nur bislang nicht dazu geäußert, welche Konsequenzen er aus dieser Erkenntnis ziehen will. Grundsätzlich gibt es dabei drei Möglichkeiten:

  1. HartzIV runter:
    Das kann eigentlich niemand fordern, der sich irgendwie mit der Idee eines Sozialstaats identifiziert. Ob Westerwelle das tut? Keine Ahnung.
  2. Steuern runter:
    Gute Idee, da wird ihm niemand widersprechen. Wenn da nicht das kleine Problem der Staatschulden und des Investitionsrückstands wäre…
  3. Löhne rauf:
    Die realistischste Forderung, aber ob Westerwelle das wirklich fordern will? (s. dazu auch Carta.info)

Naja, was er nun mit seinen lautstarken Äußerungen bezweckt, ist mir schleierhaft. Auf jeden Fall hat der bislang blasse Außenminister mal wieder auf sich aufmerksam gemacht. Nutzen wird es ihm nicht.


Blutige Zukunft?

Wer gerne einen Gegenentwurf zu der “Die Krise ist vorbei”- und “Alles wird gut”-Rhetorik lesen möchte, wird bei einem Interview des Stern mit dem Historiker Eric Hobsbawm fündig. Für ihn stehen wir an einer Zeitenwende, die mit den Entwicklungen am Anfang des 20. Jahrhunderts zu vergleichen ist:

Alles ist möglich. Inflation, Deflation, Hyperinflation. Wie reagieren die Menschen, wenn alle Sicherheiten verschwinden, sie aus ihrem Leben hinausgeworfen, ihre Lebensentwürfe brutal zerstört werden? Meine geschichtliche Erfahrung sagt mir, dass wir uns – ich kann das nicht ausschließen – auf eine Tragödie zubewegen. Es wird Blut fließen, mehr als das, viel Blut, das Leid der Menschen wird zunehmen, auch die Zahl der Flüchtlinge. Und noch etwas möchte ich nicht ausschließen: einen Krieg, der dann zum Weltkrieg werden würde – zwischen den USA und China.

(Eric Hobsbawm: “Es wird Blut fließen, viel Blut”)


Wir fressen uns zu Tode

Ich habe selten so einen engagierten und wütenden Vortrag gesehen, wie ihn Jamie Oliver auf der TED-Konferenz über die katastrophalen Ernährungsgewohnheiten vieler Menschen gehalten hat. Dabei beschuldigt er nicht die Menschen selber, sondern weist auf zentrale Probleme im System hin. Sein wichtigster Wunsch:

“I wish for your help to create a strong, sustainable movement to educate every child about food, inspire families to cook again and empower people everywhere to fight obesity.”

Und hier der Vortrag:

Ich finde ihn nicht nur wegen seines Inhalts absolut sehenswert, sondern auch wegen der Intensität, mit der Oliver seine Meinung vertritt. In jedem Satz vermischen sich Wut, Verzweiflung und Hoffnung. Jedes Wort hat seinen Platz und selbst kleine Nebensätze stecken voller (berechtigter) Vorwürfe. Dabei wirkt er aber nicht negativ oder gar zerstörerisch, sondern aufrüttelnd und motivierend. Grandios gemacht.

(via: rete-mirabile.net)


  • Nils Müller

    Ich bin als denkender Mensch, Soziologe, Internet-, Bücher- und Kinofan im Netz und im Leben aktiv. Hier teile und diskutiere ich meine Gedanken mit euch. Lest einfach los, hinterlasst mir Kommentare oder schreibt mir Mails. Mehr über mich gibt es auf nilsmueller.info und mehr von mir auf der kritischen Seite und bei Twitter.
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