Wenn sich der Trend fortsetzt und immer mehr Menschen das Internet in erster Linie über Apps auf iPhone, iPod oder iPad nutzen und der Browser als zentrales Werkzeug des Internets ausgedient hat, braucht es keine staatliche Zensur mehr, um das Internet zu verkrüppeln. Dann liegt es in der Macht einzelner Unternehmen, zu bestimmen, was die User zu sehen bekommen. Keine wirklich schöne Aussicht: Das Aus für die Bild-Iphone-App?
Bislang kannte ich Joanne K. Rowling nur als Autorin der bekannten Harry Potter Bücher. Jetzt bin ich auf ein Video gestoßen, das einen Vortrag zeigt, den sie auf dem Jahrestreffen der Alumnis der Universität Harvard gehalten hat. Darin redet sie über den Nutzen des Scheiterns – wie es einem dabei hilft, sich auf das Wichtige zu besinnen und Überflüssiges abzulegen – und die wichtige Funktion der Phantasie – wie sie es uns ermöglicht, uns in andere Menschen einzufühlen und ihre Gefühle zu teilen. Und da Rowling nicht nur gute Bücher schreiben, sondern auch verdammt gut und unterhaltsam reden kann, möchte ich euch jetzt nicht länger von dem Vortrag abhalten:
Mometan wird ja viel Kritik über Guido Westerwelle ausgeschüttet und das nicht zu unrecht. Allerdings kann man nicht behaupten, dass er falsch läge, wenn er fordert
Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet.
Auch seine prominente Formulierung
Mehr und mehr werden diejenigen, die arbeiten in Deutschland, zu den Deppen der Nation.
ist keineswegs falsch. Er hat sich nur bislang nicht dazu geäußert, welche Konsequenzen er aus dieser Erkenntnis ziehen will. Grundsätzlich gibt es dabei drei Möglichkeiten:
HartzIV runter:
Das kann eigentlich niemand fordern, der sich irgendwie mit der Idee eines Sozialstaats identifiziert. Ob Westerwelle das tut? Keine Ahnung.
Steuern runter:
Gute Idee, da wird ihm niemand widersprechen. Wenn da nicht das kleine Problem der Staatschulden und des Investitionsrückstands wäre…
Löhne rauf:
Die realistischste Forderung, aber ob Westerwelle das wirklich fordern will? (s. dazu auch Carta.info)
Naja, was er nun mit seinen lautstarken Äußerungen bezweckt, ist mir schleierhaft. Auf jeden Fall hat der bislang blasse Außenminister mal wieder auf sich aufmerksam gemacht. Nutzen wird es ihm nicht.
Wer gerne einen Gegenentwurf zu der “Die Krise ist vorbei”- und “Alles wird gut”-Rhetorik lesen möchte, wird bei einem Interview des Stern mit dem Historiker Eric Hobsbawm fündig. Für ihn stehen wir an einer Zeitenwende, die mit den Entwicklungen am Anfang des 20. Jahrhunderts zu vergleichen ist:
Alles ist möglich. Inflation, Deflation, Hyperinflation. Wie reagieren die Menschen, wenn alle Sicherheiten verschwinden, sie aus ihrem Leben hinausgeworfen, ihre Lebensentwürfe brutal zerstört werden? Meine geschichtliche Erfahrung sagt mir, dass wir uns – ich kann das nicht ausschließen – auf eine Tragödie zubewegen. Es wird Blut fließen, mehr als das, viel Blut, das Leid der Menschen wird zunehmen, auch die Zahl der Flüchtlinge. Und noch etwas möchte ich nicht ausschließen: einen Krieg, der dann zum Weltkrieg werden würde – zwischen den USA und China.
Ich habe selten so einen engagierten und wütenden Vortrag gesehen, wie ihn Jamie Oliver auf der TED-Konferenz über die katastrophalen Ernährungsgewohnheiten vieler Menschen gehalten hat. Dabei beschuldigt er nicht die Menschen selber, sondern weist auf zentrale Probleme im System hin. Sein wichtigster Wunsch:
“I wish for your help to create a strong, sustainable movement to educate every child about food, inspire families to cook again and empower people everywhere to fight obesity.”
Und hier der Vortrag:
Ich finde ihn nicht nur wegen seines Inhalts absolut sehenswert, sondern auch wegen der Intensität, mit der Oliver seine Meinung vertritt. In jedem Satz vermischen sich Wut, Verzweiflung und Hoffnung. Jedes Wort hat seinen Platz und selbst kleine Nebensätze stecken voller (berechtigter) Vorwürfe. Dabei wirkt er aber nicht negativ oder gar zerstörerisch, sondern aufrüttelnd und motivierend. Grandios gemacht.
Wahre Worte von Ben Tellings, Chef der ING Diba gegenüber dem Spiegel:
“Eigentlich sind wir Banker doch Treuhänder des Vermögens unserer Kunden. Stattdessen führen sich viele in meiner Branche auf wie Zocker, aber in einem ganz neuen Sinn: Denn sie müssen ja nicht haften, stecken gutes Geld ein und können im Prinzip nur gewinnen.”
Ich bin als denkender Mensch, Soziologe, Internet-, Bücher- und Kinofan im Netz und im Leben aktiv. Hier teile und diskutiere ich meine Gedanken mit euch. Lest einfach los, hinterlasst mir Kommentare oder schreibt mir Mails. Mehr über mich gibt es auf nilsmueller.info und mehr von mir auf der kritischen Seite und bei Twitter.