Eigentlich sollte doch alles einfacher werden: Das Internet ermöglicht uns die Kommunikation mit Menschen über den gesamten Erdball hinweg. Distanzen schwinden und Grenzen fallen, doch digitale Kommunikation hat auch die Kommunikation im Nahbereich fest im Griff: E-Mails, Instant Messaging und Soziale Netzwerke dienen heutzutage auch Kommilitonen in derselben Stadt oder gar WG-intern als Kommunikationsmittel. Und während sie gleichzeitig die Kontaktaufnahme erleichtern und Hemmschwellen abbauen, stellen sie uns doch immer wieder vor große Probleme: Vor lauter E-Mails, StudiVZ-Nachrichten, neuen sozialen Netzwerken und Kommunikationsangeboten und -aufforderungen kommt man kaum noch dazu tatsächlich zu leben. Kommunikation wird so zum zentralen Aspekt des alltäglichen Lebens, ohne dass es einen Kommunikationsinhalt gibt, denn es geht nicht mehr um die Erzeugung von Gütern, den Erwerb von Wissen oder den Aufbau von Freundschaften. Aus cogito ergo sum wird communico ergo sum.
Wie es jemandem ergeht, der sich aus der digitalen Kommunikation ein Stück weit zurückzieht und der sich wieder auf das wirkliche Leben konzentrieren will, anstatt digital zu kommunizieren, beschreibt Frauke Lüpke-Narberhaus in ihrem lesenwerten Erfahrungsbericht Mein digitaler Selbstmord. Und dabei zeigt sich, dass ein digitaler Kommunikationsoverkill auch heutzutage keineswegs eine Voraussetzung für ein erfülltes Sozialleben darstellt.

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