Die Freiheit der Normalität

Von XJasonRogersX (CC-BY)

Eigentlich wollen wir doch alle irgendwie berühmt werden. Jeder hat mal davon geträumt, Profi-Fußballer oder Rockstar zu werden. Zu verlockend ist die Vorstellung: Ruhm, Ansehen, Geld, High-Society, Luxus, Reisen – alles Teil des Pakets. Dass es auch Schattenseiten dieses öffentlichen Lebens gibt, in dem kein Moment unbeobachtet und keine Schwächephase unkommentiert und unhinterfragt bleibt, blenden wir meistens aus. Spätestens der Freitod von Robert Enke sowie die gerade erschienenen Biographien von Sebastian Deisler und André Agassi sollten und das jedoch deutlich vor Augen geführt haben. Einen spannenden Bericht über Tobias Rau, der als großes Talent galt und sieben Mal in der Nationalmannschaft gespielt hat, gibt es bei Spiegel Online: Tobias Rau ist wie ausgewechselt. Er entschied sich Mitte 2009, seine Fußballkarriere zu beenden und an der Universität Bielefeld zu studieren: Sport und Pädagogik. Nun genießt er die Freiheiten des Studentenlebens, das Fehlen des alltäglichen Drucks und ein Gefühl von Gemeinschaft, die nicht auf Ehrgeiz und Leistung basiert.

Für mich verdient diese Entscheidung viel Respekt. Sie zeigt aber auch, dass das, was wir als erstrebenswert und hochwertig erachten, seinen Zauber verliert, wenn man es erreicht hat. Dann merkt man, wie der öffentliche Druck einen zermürbt, ein durchgeplanter Tag ermüdet und der ständige Konkurrenzkampf die Freude an der Sache in den Hintergrund drängt. Ich denke, dass viele in dieser Falle stecken und sich nicht trauen, den entscheidenden Schritt zu gehen, das von außen so glamourös und traumhaft erscheinende Leben hinter sich zu lassen, um da ihr Glück zu suchen, wo es echte Freiheit gibt: In der Normalität.

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