Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

Wilhelmshavener Zeitung – der vollständige Artikel

Am Dien­stag werde ich im Rah­men der Vor­tragsreihe “Sil­len­st­eder Gepräche” in der Gemeinde Schort­ens in der Nähe von Wil­helmshaven einen Vor­trag zum Thema “Wie das Inter­net die Gesellschaft verän­dert” hal­ten (9. März, 19:30, Gemein­de­haus der Gemeinde Sil­len­st­ede). Um diesen zu bewer­ben, hat mich der Ver­anstal­ter gebeten, einen Artikel für die Wil­helmshavener Zeitung zu ver­fassen. Dieser ist heute dann auch erschienen – zumin­d­est in der Online-Version. Allerd­ings ist von dem, was ich geschrieben habe, und dem, was ich aus­drücke wollte, wenig übrig geblieben. Der Artikel wurde mas­siv gekürzt und in eine Form gebracht, die sprach­lich unsauber ist und nicht mehr meine eigentliche Aus­sage rüber­bringt. (UPDATE 09.03.10: In der Druck­aus­gabe der WZ ist der Artikel voll­ständig erschienen) Daher an dieser Stelle Hier der Artikel in meiner Originalfassung:

Die Bestei­gung des Datenbergs

Wie ein­fach war die Welt noch vor zwanzig Jahren: Da gab es die lokale Tageszeitung, vielle­icht noch eine der großen deutsch­landweiten Zeitun­gen, die Tagess­chau und den lokalen Radiosender. Diese informierten über das aktuelle Geschehen und ord­neten es in einen größeren Zusam­men­hang ein. So bekam man Tag für Tag ein fer­tiges Paket an Infor­ma­tio­nen, das ein­heitlichen Stoff für die Gespräche an der Kaf­feemas­chine, in der Kan­tine, am Abend­brot­tisch und am Stammtisch lieferte. Es gab nur wenige Zeitun­gen, denn Papier, Druck und die Verteilung an Abon­nen­ten und Kioske waren teuer. Auch existierten nur wenige Radio– und Fernsehsender, denn Fre­quen­zen waren knapp und wur­den staatlich zugewiesen, und die Tech­nik war kom­pliziert — und teuer.

Dann kam das Inter­net und ermöglichte es jedem, der einen Com­puter besaß, seine Mei­n­ung und sein Wis­sen mit der Welt zu teilen. Es dauerte auch nicht lange und viele nutzten diese Möglichkeit, ihr Wis­sen, ihre Mei­n­un­gen und Analy­sen aktueller Entwick­lun­gen zu veröf­fentlichen. Bis heute wächst dieser Schatz an Wis­sen an — Tag für Tag. Immer mehr Infor­ma­tio­nen — aktuelle und his­torische — finden sich im Inter­net, gle­ich neben wertvollen wie wert­losen Ein­schätzun­gen und Kom­mentaren. Die fer­ti­gen Pakete, die die Welt damals sehr ein­fach erscheinen ließen, sind heute nicht mehr die einzige Möglichkeit, sich zu informieren. Sie lassen sich auf­schnüren und in kleine Bestandteile zer­legen, bei denen jeder genau das lesen, hören und sehen kann, was ihn inter­essiert. Die Ergeb­nisse der Fußball-Bezirksliga Bodensee sind genauso leicht zu bekom­men wie die der Bun­desliga, das Abstim­mungsver­hal­ten der Abge­ord­neten der Par­la­mente ist oft­mals frei ein­se­hbar, und eine Unzahl von Blogs und anderen Web­seiten kom­men­tiert in einem unabläs­si­gen Strom das poli­tis­che Geschehen, aktuelle Filme und jedes erden­kliche Spezialthema.

Dadurch, dass es so leicht und bil­lig gewor­den ist, Dinge an die Öffentlichkeit zu tra­gen, hat sich ein unüber­schaubarer Daten­berg gebildet, in dem das Wichtige und qual­i­ta­tiv Hochw­er­tige oft schwer zu finden ist. Trotz­dem ist dieser Daten­berg der Anfang einer kul­turellen und sozialen Rev­o­lu­tion, wie wir sie vielle­icht seit dem Entste­hen des Buch­drucks und der Zeitung nicht erlebt haben. Wie immer gibt es bei solchen Umbrüchen Vor– und Nachteile, Gewin­ner und Ver­lierer. Es gibt die, die an Alt­be­währtem fes­thal­ten, und die, die den Wan­del vorantreiben; Kon­flik­tlin­ien entste­hen, und es bilden sich neue Grup­pen, die ihre Inter­essen und Überzeu­gun­gen vertreten.

Einen Ein­blick in diesen tief­greifenden gesellschaftlichen Wan­del und die Kon­flikte, die sich aus ihm ergeben, bekom­men Sie am Dien­stag, den 9. März ab 19:30 im Gemein­de­saal der Gemeinde Sillenstede.

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Kategorie: Gesellschaft

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