Was Zeitungen noch leisten können

Running away from the City by photos71

Nachdem ich vor ein paar Tagen den Pessimisten in Sachen Tageszeitungen habe raushängen lassen, hier die versprochenen Gründe, in welcher Form gedruckte Zeitungen auch in Zukunft wichtig bleiben, wie sie ihre Inhalte auch Online vermarkten können und warum auch der klassische Journalist immer noch gebraucht wird:

Aktuelle, tiefgründige und verständliche  Analysen

Auch wenn heute im Internet Fachtexte und Expertenmeinungen unmittelbar zugänglich sind, so will doch nicht jeder, der sich nicht mit groben Informationen zufrieden geben will, gleich eine ausgefeilte wissenschaftliche Untersuchung lesen, zumal diese auch immer ein wenig Zeit braucht. Eine zeitnahe, verständliche  und trotzdem tiefgründige Aufarbeitung eines Themas hat da durchaus ihren Platz. Im Tagesrhythmus kann das aber nicht gelingen und so sind folgerichtig Wochentitel auf dem Vormarsch.

Auch im Internet halte ich eine Vermarktungsstrategie für solche Texte für erfolgversprechend. Zwar macht beispielsweise zeit.de momentan viele Texte der Druckausgabe kostenlos im Netz verfügbar, bei einer gelungen technischen Umsetzung von "Mikro-Payment" und einer etwas besser les- und druckbaren Gestaltung fände ich es aber nicht unrealistisch, für einen Text 20 – 50ct zu verlangen. Hier eine schöne Rechnung dazu bei Indiskretion Ehrensache.

Investigativer Journalismus

Eine zentrale Funktion, die Journalisten schon seit Langem übernehmen und auch in Zukunft weiterhin übernehmen werden ist die ausführliche Recherche zur Aufdeckung gesellschaftlicher Missstände. Hier gibt es weder in der Wissenschaft noch in anderen Bereichen Personen, die in einer ähnlich neutralen Weise in der Lage wären, Regierungen, Unternehmen, NGOs und anderen auf die Finger zu schauen. Es muss für solche Journalisten auch weiterhin eine Möglichkeit geben, finanziell halbwegs abgesichert über lange Zeiträume zu recherchieren und die Ergebnisse ihrer Arbeit dann auch zu präsentieren. Hier spielen wieder Wochenzeitungen eine wichtige Rolle und wieder ließe sich auch hier in meinen Augen eine Onlinevermarktung über Mikro-Payment realisieren.

Einordnen und Auswählen

Das Netz quillt mittlerweile dermaßen über vor Nachrichten, Hintergrundinformationen und Kommentaren, dass es mehr und mehr vom Zufall, der Vernetzung und der Vermarktungsstrategie der Autoren abhängt, welche Texte im Internet gelesen werden und welche nicht. Breit ausgebildete Journalisten wären hier in der wichtigen Rolle, aus diesen Texten auszuwählen, sie zu Dossiers zusammenzustellen und in einen Kontext zu bringen, gefragt. Ich würde relativ viel geben für ein Portal, in dem ich zu aktuellen Ereignissen immer eine kommentierte und redaktionell ausgewählte Sammlung von Links finden könnte. Auch hier stehen wieder zahlreiche Vermarktungsmöglichkeiten offen.

Dazu, wie ich mir ein ideales modernes Nachrichtenmagazin vorstelle, demnächst mehr…

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