Totale Überwachung für die Forschung?

Running away from the City by photos71

In der Schweiz wollen Forscher in einem riesigen Forschungsprojekt über 20 Jahre hinweg die Entwicklung von 3000 Kindern verfolgen. Auch Eltern und Großeltern sollen in die Studie einbezogen werden, um so ein möglichst umfassendes Bild der Kindheit und Jugend der Probanden zu erzeugen. Im Mittelpunkt steht dabei das Interesse an der Entstehung psychischer Störungen wie Angststörungen oder Depressionen.

Für einen empirischen Wissenschaftler stellt ein solches Projekt sicherlich den absoluten Himmel auf Erden dar: Aus einer großen Stichprobe werden sehr umfangreiche Daten erhoben, die so ziemlich alle erdenklichen Faktoren abdecken können und auf dieser Grundlage ließen sich sicherlich äußerst spannende Schlussfolgerungen ziehen. Auch für Soziologen wären diese Daten sicherlich interessant, da man auch Untersuchungen zur Sozialisation oder Peer-Groups durchführen könnte.

Neben den ethischen und rechtlichen Einwänden, die sich beispielsweise bei Zeit.de finden, gibt es jedoch auch ein ganz zentrales methodisches Problem: Die Forscher verändern durch die Datenerhebung die Daten. So wird eine frühzeitig erkannte Depression sicherlich auch frühzeitig behandelt werden (müssen) und auch das sonstige Verhalten der Probanden wird sicherlich verändert sein. Eine regelmäßige körperliche Untersuchung könnte beispielsweise das Bewusstsein bezüglich der eigenen Ernährung schärfen oder die Eltern könnten sich unter stärkerem Druck sehen, ihrem Nachwuchs mehr Aufwerksamkeit zu widmen.

Im Angesicht dieser methodischen Probleme ist es fragwürdig, ob die gewonnenen Daten den Aufwand und die ethisch heikle Vorgehensweise rechtfertigen, die Durchführung einer derartigen Panel-Studie würde der (Entwicklungs-)Psychologie und den Sozialwissenschaften jedoch eine neue Dimension eröffnen.

Mehr Informationen:

Wenn dir der Artikel gefallen hat, teile ihn mit anderen:

    Schreibe einen Kommentar

    © 2012 · Weltenkreuzer · 26q, 0,401s