Weltenkreuzer

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Scheuklappen?

Spiegel Online berichtet von einer Studie der Wirtschaft­sprü­fungs­ge­sellschaft PwC, nach der ein großer Teil der deutschen Jung­man­ager eine Kar­riere im Aus­land plant. Auch habe bei denen, die in Deutsch­land bleiben möchten, die Kar­riere ganz ein­deutig Pri­or­ität. Das zeigt sich beson­ders daran, dass ehre­namtliches Engage­ment zurück geht und sich junge “High Poten­tials” kaum noch für das Ein­set­zen, was außer­halb ihres Berufes vorgeht.

Diese Ten­denz habe ich als Vor­standsmit­glied einer Hochschul­gruppe an einer wirtschafts– und sozial­wis­senschaftlichen Fakultät in den let­zten Jahren lei­der auch an der Uni beobachten kön­nen. Es wird immer schwieriger, Stu­den­ten dazu zu motiv­eren, sich außer­halb der Lehrver­anstal­tun­gen zu engagieren. Dabei wer­den ger­ade die zen­tralen Skills, die einem in Vor­lesun­gen nicht ver­mit­telt wer­den und die ein Engage­ment mas­siv fördern kann, heutzu­tage am Arbeits­markt äußerst stark nachge­fragt: Team­fähigkeit, Führungser­fahrung, Pro­jek­t­man­age­ment, Organisationstalent…

In meinen Augen ist diese Ten­denz auf den zunehmenden Druck und die höhere Unsicher­heit zurück­zuführen, denen Stu­den­ten heutzu­tage aus­ge­setzt sind. Überall wird kom­mu­niziert: Nur Spitzen­noten, ein schnelles Studium, Aus­land­ser­fahrung und Prak­tika ermöglichen nach dem Abschluss den Ein­stieg in einen attrak­tiven Job. Ger­ade ehre­namtliches Engage­ment bleibt hier lei­der außen vor. Der Konkur­ren­zkampf ist ver­dammt hart und Noten und Prak­tika sind etwas Greif­bares, etwas das man messen und aufzählen kann. Engage­ment fördert auf sehr sub­tile Weise die Per­sön­lichkeit­sen­twick­lung und “Soft Skills”. Mit denen kann man sich nicht im Lebenslauf brüsten, denken Viele.

Ver­stärkt wird diese Ten­denz aktuell durch die Bachelor-/Master-Studiengänge. Hier wird noch mehr Druck auf die Stu­den­ten aus­geübt, wer­den mehr Prü­fun­gen in ein Semes­ter gequetscht und starre Zugangs­gren­zen zu den Mas­ter­pro­gram­men gesetzt. Auf diese Weise wer­den die Scheuk­lap­pen immer enger gezo­gen. Es ist den meis­ten Stu­den­ten vor lauter Anforderun­gen kaum noch möglich, sich neben dem Studium zu engagieren, eine eigene Per­sön­lichkeit zu entwick­eln und über den Teller­rand hinauszuschauen.

Die Fehlwahrnehmung der Kri­te­rien der Unternehmen und der immer stärkere Druck wer­den let­z­tendlich dazu führen, dass die zukün­fti­gen Man­ager in Deutsch­land zwar sehr viel the­o­retis­ches Wis­sen über Con­trol­ling, Finanzierung und Mark­t­ing anhäufen, aber kaum noch in der Lage sind, dieses Wis­sen adäquat anzuwen­den. An dieser Stelle geht, in meinen Augen, enormes Poten­zial ver­loren und das auf einem Gebiet, auf dem in Deutsch­land ohne­hin schon Nach­holbe­darf besteht.

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Kategorie: Gesellschaft
  • Motje sagt:

    Das kann ich nur bestäti­gen. Ich habe meinen ersten Job bekom­men, genau weil ich eben diese Soft­skills aus Fach­schaft­srats– und parteipoli­tis­cher Arbeit vor­weisen kon­nte. Mit meinem Studium hat der Job nichts zu tun (und mit der Partei auch nicht).
    Also: Engagiert Euch!

    26. Juni 2007 um 13:24

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