Roland Kochs Krieg gegen die Jugend

Running away from the City by photos71

Vor ein paar Jahren verteidigte er noch die deutschen Kinder vor einer vermeintlichen Schwemme hochqualifizierter Indern (“Kinder statt Inder”), doch jetzt bläst Roland Koch zur Generalattacke auf die Jugend: Bei den unumgänglichen Sparmaßnahmen in den nächsten Jahren hat er vor ein paar Tagen auch Kürzungen im Bildungs- und Forschungsbereich angemahnt. Damit erweist sich Koch mal wieder als hervorragender Demagoge mit dem Talent “zu provozieren und sein Fähnchen in den Wind der Wählerstimmen zu stellen.

Roland Koch hat erkannt, dass in Zukunft mit der jungen Generation kaum noch Politik zu machen sein wird. Jetzt, wo sich die Baby-Boomer-Generation langsam auf die Rente zubewegt, bringen Bildungspolitik und eine an der Jugend orientierte Politik nicht mehr ausreichend Stimmen. Es muss jetzt darum gehen, die Rentner zu umgarnen, ihnen Zumutungen zu ersparen und sie ihre Schäfchen ins Trockene bringen zu lassen. Es dauert nicht mehr lange, bis Deutschland sich zu einer Renterdemokratie wandelt und jede Einschränkung des schon aktuell unterfinanzierten Rentensystems endgültig in politischem Selbstmord gipfelt. Daher ist es nur folgerichtig, dass Koch schon jetzt die Weichen stellt und den jungen Menschen in diesem Land entgegenruft: “Ihr habt hier keine Zukunft!”

Mit einer solchen Politik und Rhetorik wird jedoch über kurz oder lang der deutsche “Generationenvertrag” in einen “Generationenkonflikt” übertragen. Denn genau, wie eine in der FAZ zitierte Studie herausgefunden hat, dass den Rentnern das Wohlergehen der jüngeren Generationen immer egaler wird, werden auch die jungen und leistungsfähigen Arbeitnehmer irgendwann nicht mehr einsehen, die gewaltige Rentenlast zu schultern.

Ich verstehe es einfach nicht. Wie kann ein fraglos intelligenter Mann wie Roland Koch die Zukunft unserer Gesellschaft sehenden Auges gegen die Wand fahren lassen? Wie kann er morgens noch in den Spiegel schauen, wenn er eine Politik propagiert, die diesem Land langfristig die Lebensgrundlage entzieht? Wo sollen denn Wirtschaftswachstum, innovative Ideen und nicht zuletzt die zukünftigen Renten herkommen, wenn nicht von einer kleinen aber extrem gut ausgebildeten Arbeitnehmerschaft? Wer soll das Gesundheitssystem und die Pflege der immer weiter alternden Gesellschaft finanzieren, wenn nicht diejenigen, die Koch jetzt vor den Kopf stößt? Roland Koch und viele Andere ignorieren die einzige Hoffnung, die dem überalterten Staat noch bleibt nicht nur, sondern tun ihr möglichstes, sie für ein paar Stimmen bei der nächsten Wahl zu verkaufen.

Albert Hirshman hat vor einiger Zeit zwischen drei verschiedenen Arten unterschieden, wie Menschen auf politische Entscheidungen reagieren können, die ihnen nicht gefallen: Noch(!) hat die Politik die “Loyalität” der meisten meiner Generation, doch die Proteste und das Erheben der Stimme können nicht mehr lange auf sich warten lassen – im Gegenteil, ich denke sogar, dass die aktuellen Erfolge der Piratenpartei ein erstes deutliches Zeichen der Jugend gegen die aktuelle Politik darstellen. Wenn auch das Erheben der Stimme nicht mehr hilft, bleibt den Unzufriedenen nur noch die Flucht – und eine Rentnerrepublik wird ohne sie nicht überlebensfähig sein.

Zu diesem Thema auch unbedingt lesenswert: Roland Kochs Wette von Frank Schirrmacher

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