Weltenkreuzer

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Roland Kochs Krieg gegen die Jugend

Vor ein paar Jahren vertei­digte er noch die deutschen Kinder vor einer ver­meintlichen Schwemme hochqual­i­fizierter Indern (“Kinder statt Inder”), doch jetzt bläst Roland Koch zur Gen­er­alat­tacke auf die Jugend: Bei den unumgänglichen Spar­maß­nah­men in den näch­sten Jahren hat er vor ein paar Tagen auch Kürzun­gen im Bil­dungs– und Forschungs­bere­ich angemahnt. Damit erweist sich Koch mal wieder als her­vor­ra­gen­der Dem­a­goge mit dem Tal­ent “zu provozieren und sein Fäh­nchen in den Wind der Wäh­ler­stim­men zu stellen.

Roland Koch hat erkannt, dass in Zukunft mit der jun­gen Gen­er­a­tion kaum noch Poli­tik zu machen sein wird. Jetzt, wo sich die Baby-Boomer-Generation langsam auf die Rente zube­wegt, brin­gen Bil­dungspoli­tik und eine an der Jugend ori­en­tierte Poli­tik nicht mehr aus­re­ichend Stim­men. Es muss jetzt darum gehen, die Rent­ner zu umgar­nen, ihnen Zumu­tun­gen zu ers­paren und sie ihre Schäfchen ins Trock­ene brin­gen zu lassen. Es dauert nicht mehr lange, bis Deutsch­land sich zu einer Ren­ter­demokratie wan­delt und jede Ein­schränkung des schon aktuell unter­fi­nanzierten Renten­sys­tems endgültig in poli­tis­chem Selb­st­mord gipfelt. Daher ist es nur fol­gerichtig, dass Koch schon jetzt die Weichen stellt und den jun­gen Men­schen in diesem Land ent­ge­gen­ruft: “Ihr habt hier keine Zukunft!”

Mit einer solchen Poli­tik und Rhetorik wird jedoch über kurz oder lang der deutsche “Gen­er­a­tio­nen­ver­trag” in einen “Gen­er­a­tio­nenkon­flikt” übertra­gen. Denn genau, wie eine in der FAZ zitierte Studie her­aus­ge­fun­den hat, dass den Rent­nern das Woh­lerge­hen der jün­geren Gen­er­a­tio­nen immer egaler wird, wer­den auch die jun­gen und leis­tungs­fähi­gen Arbeit­nehmer irgend­wann nicht mehr ein­se­hen, die gewaltige Renten­last zu schultern.

Ich ver­stehe es ein­fach nicht. Wie kann ein fra­g­los intel­li­gen­ter Mann wie Roland Koch die Zukunft unserer Gesellschaft sehen­den Auges gegen die Wand fahren lassen? Wie kann er mor­gens noch in den Spiegel schauen, wenn er eine Poli­tik propagiert, die diesem Land langfristig die Lebens­grund­lage entzieht? Wo sollen denn Wirtschaftswach­s­tum, inno­v­a­tive Ideen und nicht zuletzt die zukün­fti­gen Renten herkom­men, wenn nicht von einer kleinen aber extrem gut aus­ge­bilde­ten Arbeit­nehmer­schaft? Wer soll das Gesund­heitssys­tem und die Pflege der immer weiter altern­den Gesellschaft finanzieren, wenn nicht diejeni­gen, die Koch jetzt vor den Kopf stößt? Roland Koch und viele Andere ignori­eren die einzige Hoff­nung, die dem überal­terten Staat noch bleibt nicht nur, son­dern tun ihr möglich­stes, sie für ein paar Stim­men bei der näch­sten Wahl zu verkaufen.

Albert Hir­sh­man hat vor einiger Zeit zwis­chen drei ver­schiede­nen Arten unter­schieden, wie Men­schen auf poli­tis­che Entschei­dun­gen reagieren kön­nen, die ihnen nicht gefallen: Noch(!) hat die Poli­tik die “Loy­al­ität” der meis­ten meiner Gen­er­a­tion, doch die Proteste und das Erheben der Stimme kön­nen nicht mehr lange auf sich warten lassen – im Gegen­teil, ich denke sogar, dass die aktuellen Erfolge der Piraten­partei ein erstes deut­liches Zeichen der Jugend gegen die aktuelle Poli­tik darstellen. Wenn auch das Erheben der Stimme nicht mehr hilft, bleibt den Unzufriede­nen nur noch die Flucht — und eine Rent­nerre­pub­lik wird ohne sie nicht überlebens­fähig sein.

Zu diesem Thema auch unbe­d­ingt lesenswert: Roland Kochs Wette von Frank Schirrmacher

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Kategorie: Gesellschaft

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