Peer-Review und Publikationen
Running away from the City by photos71
In der Debatte um Open Access (z.B. hier, hier und hier) in der wissenschaftlichen Publikation wird oftmals auf die Wichtigkeit der “Qualitätskontrolle” wissenschaftlicher Arbeiten durch eine der Veröffentlichung vorgeschaltete Begutachtung der Artikel durch andere Wissenschaftler hingewiesen (z.B. hier). In meinen Augen erfüllt dieses “Peer-Review” insbesondere zwei Funktionen:
1. Qualitätskontrolle: Unbestritten sollten Arbeiten vor ihrer Veröffentlichung auf ihre Qualität hin überprüft werden: Die Argumentation sollte plausibel sein, die Arbeit sollte neue Aspekte beinhalten und natürlich muss auch die Methode gewissen Ansprüchen genügen.
2. Abgrenzung der Wissenschaft: Das Peer-Review ist ein wichtiger Baustein in der Abgrenzung des Wissenschaftssystems gegenüber der übrigen Gesellschaft: Nur wer die “richtigen” Begriffe an der “richtigen” Stelle verwendet, die “richtigen” Autoren zitiert und “fachangemessene” Argumente verwendet kann auf eine Publikation hoffen. Auf diese Weise werden existierende Paradigmen reproduziert, bestehende Argumentationsmuster gefestigt und “Querdenkern” der Einstieg erschwert.
Zudem hat gerade die Soziologie mit dem Vorurteil der Unverständlichkeit und verklausulierten Ausdrucksweise zu kämpfen, was sich durch die kooptative Struktur des Systems leider in Zukunft auch vorerst nicht ändern wird. Verständlich und zugänglich zu schreiben, wird oftmals als “unwissenschaftlich” bezeichnet.
Gibt es also eine Möglichkeit, die Qualitätskontrolle zu erfüllen, ohne dabei ein rigides Reproduktionssystem zu erzeugen? In meinen Augen lautet die Antwort auch hier wieder Open Access: Auf einer Veröffentlichungsplattform für wissenschaftliche Artikel könnte ein offenenes Review-System etabliert werden. Kritisierte Artikel werden nicht einfach nicht veröffentlicht, sondern zusammen mit den Kritikpunkten eingestellt.So kann sich eine offene Diskussion um neue Ideen entwickeln und gleichzeitig wird der wissenschaftliche Gehalt der Texte überprüft. Zudem erzeugt die Öffentlichkeit des Reviews größeren Druck auf die Autoren sauber zu arbeiten.






