Tina Guenther weist in ihrem Sozlog auf die “Open Access”-Bewegung in der wissenschaftlichen Publikationspraxis hin. Hier werden Forschungsergebnisse nicht mehr (nur) in teuren Fachzeitschriften veröffentlicht, sondern für Jedermann kostenlos zugänglich im Internet.
In meinen Augen stellt dieser kostenlose Zugang aber nicht nur eine interessante neue Entwicklung dar, sondern sollte eigentlich den Grundstein für die Veröffentlichung öffentlich finanzierter Forschung darstellen. Es mutet doch sehr absurd an, dass der Steuerzahler Millionen für die Förderung unversitärer wissenschaftlicher Arbeit ausgibt und sich deren Ergebnisse dann zu horrenden Preisen von privatwirtschaftlichen Verlagen kaufen muss.
Auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs wird die Arbeit unnötig schwer gemacht: Bestimmte Zeitschriften sind an der Uni nicht verfügbar und auch online nicht zugänglich, Fernleih-Kopienbestellungen kosten (wenn auch hier in Bayern zugegebenermaßen nicht viel) und dauern einige Wochen. Ein kurzes Anlesen ist nicht möglich und das Abstracts nur selten etwas über die Verwertbarkeit eines Artikels in der eigenen Arbeit verraten ist auch keine Neuigkeit.
Was spricht also eigentlich dafür, dass eingefahrene Publikationssystem beizubehalten? Das zentrale Argument dürfte hier das Peer-Review-Verfahren sein, das sicherlich viele Vorteile aufweist. Aber auch dieses ließe sich ohne größere Probleme im Rahmen einer Internet-Plattform umsetzen.
Ich bin sehr gespannt, wann sich die ersten Bemühungen in diese Richtung entwickeln…

Tina Guenther sagt:
Hallo Weltenkreuzer, danke für’s Weiterverbriten!
Tina Guenther sagt:
ich meinte Weiterverbeiten … genau wie Du schreibst: wenn man davon ausgehen darf, dass Wissenschaft ein öffentliches Gut ist — entweder auf Grundlage öffentlicher Finanzierung oder aber auch aufgrund allgemeiner Relevanz des zu produzierenden Wissens, weil Grundlagenforschung — dann beinhaltet Open Access, dass die Produkte (Publikationen, Lizenzen und Originaldaten) auch öffentlich zugänglich sind.
JanSchmidt sagt:
“Was spricht also eigentlich dafür, dass eingefahrene Publikationssystem beizubehalten? Das zentrale Argument dürfte hier das Peer-Review-Verfahren sein, das sicherlich viele Vorteile aufweist. Aber auch dieses ließe sich ohne größere Probleme im Rahmen einer Internet-Plattform umsetzen.”
Das ist in meinen Augen nicht das zentrale Problem; es gibt ja eine ganze Reihe von open-access-Journalen, die peer reviewed sind (z.B. das Journal of Computer-Mediated Communication). Ich sehe die Hürden eher auf Seiten der Verlage, die wissenschaftliche Journale herausgeben — denen würde ja eine Einnahmequelle wegbrechen.
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Tina Guenther sagt:
Sicher gibt es in einigen Einzelfällen auch Kritik am Peer-Review-Verfahren in der Praxis der Ausführung — im Seminar habe ich mit den Studenten einen Text von Stefan Hirschauer zum Peer-Review-Verfahren besprochen. Ich selbst finde nicht, dass man Peer-Review in seiner Gesamtheit zu kritisieren hat, obgleich es gewiss in vielen Einzelheiten noch Verbesserungspotenzial gibt. Vielmehr ist das Peer-Review –Verahren gerade in der Wissenschaft ja sehr gut etabliert und hilft bei der Entwicklung weiter. Ich stimme Jan völlig im Punkt von Interessenslagen als wesentlichem Handycap zu. Zu junge junge richgig strenge Jacke: Gibt’s hier im Netz nicht auch Korrektur durch Peers? z.B. Ex-Post-Kontrolle durch Peers, der einen dazu bewegt, Unklarheiten zu beseitigen, Fehler zu korrigieren usw, weitere Aspekte zu berücksichtigen usw.
Ist man denn beim Bloggen
Weltenkreuzer sagt:
@JanSchmidt (Nr. 3): Völlig richtig. Es ging mir im Beitrag um “objektive” Vorteile des aktuellen Publikationssystems. Damit, dass es andere faktische Gründe gibt, stimme ich vollkommen überein.
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