Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

Open Access in der Wissenschaft

Tina Guen­ther weist in ihrem Sozlog auf die “Open Access”-Bewegung in der wis­senschaftlichen Pub­lika­tion­spraxis hin. Hier wer­den Forschungsergeb­nisse nicht mehr (nur) in teuren Fachzeitschriften veröf­fentlicht, son­dern für Jed­er­mann kosten­los zugänglich im Internet.

In meinen Augen stellt dieser kosten­lose Zugang aber nicht nur eine inter­es­sante neue Entwick­lung dar, son­dern sollte eigentlich den Grund­stein für die Veröf­fentlichung öffentlich finanzierter Forschung darstellen. Es mutet doch sehr absurd an, dass der Steuerzahler Mil­lio­nen für die Förderung unver­sitärer wis­senschaftlicher Arbeit aus­gibt und sich deren Ergeb­nisse dann zu hor­ren­den Preisen von pri­vatwirtschaftlichen Ver­la­gen kaufen muss.

Auch dem wis­senschaftlichen Nach­wuchs wird die Arbeit unnötig schwer gemacht: Bes­timmte Zeitschriften sind an der Uni nicht ver­füg­bar und auch online nicht zugänglich, Fernleih-Kopienbestellungen kosten (wenn auch hier in Bay­ern zugegeben­er­maßen nicht viel) und dauern einige Wochen. Ein kurzes Anle­sen ist nicht möglich und das Abstracts nur sel­ten etwas über die Ver­w­ert­barkeit eines Artikels in der eige­nen Arbeit ver­raten ist auch keine Neuigkeit.

Was spricht also eigentlich dafür, dass einge­fahrene Pub­lika­tion­ssys­tem beizube­hal­ten? Das zen­trale Argu­ment dürfte hier das Peer-Review-Verfahren sein, das sicher­lich viele Vorteile aufweist. Aber auch dieses ließe sich ohne größere Prob­leme im Rah­men einer Internet-Plattform umsetzen.

Ich bin sehr ges­pannt, wann sich die ersten Bemühun­gen in diese Rich­tung entwickeln…

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  • Tina Guenther sagt:

    Hallo Wel­tenkreuzer, danke für’s Weiterverbriten!

    24. November 2006 um 20:33
  • Tina Guenther sagt:

    ich meinte Weit­er­ver­beiten … genau wie Du schreibst: wenn man davon aus­ge­hen darf, dass Wis­senschaft ein öffentliches Gut ist — entweder auf Grund­lage öffentlicher Finanzierung oder aber auch auf­grund all­ge­meiner Rel­e­vanz des zu pro­duzieren­den Wis­sens, weil Grund­la­gen­forschung — dann bein­hal­tet Open Access, dass die Pro­dukte (Pub­lika­tio­nen, Lizen­zen und Orig­i­nal­daten) auch öffentlich zugänglich sind.

    24. November 2006 um 20:53
  • JanSchmidt sagt:

    Was spricht also eigentlich dafür, dass einge­fahrene Pub­lika­tion­ssys­tem beizube­hal­ten? Das zen­trale Argu­ment dürfte hier das Peer-Review-Verfahren sein, das sicher­lich viele Vorteile aufweist. Aber auch dieses ließe sich ohne größere Prob­leme im Rah­men einer Internet-Plattform umsetzen.”

    Das ist in meinen Augen nicht das zen­trale Prob­lem; es gibt ja eine ganze Reihe von open-access-Journalen, die peer reviewed sind (z.B. das Jour­nal of Computer-Mediated Com­mu­ni­ca­tion). Ich sehe die Hür­den eher auf Seiten der Ver­lage, die wis­senschaftliche Jour­nale her­aus­geben — denen würde ja eine Ein­nah­me­quelle wegbrechen.

    29. November 2006 um 00:56
  • Tina Guenther sagt:

    Sicher gibt es in eini­gen Einzelfällen auch Kri­tik am Peer-Review-Verfahren in der Praxis der Aus­führung — im Sem­i­nar habe ich mit den Stu­den­ten einen Text von Ste­fan Hirschauer zum Peer-Review-Verfahren besprochen. Ich selbst finde nicht, dass man Peer-Review in seiner Gesamtheit zu kri­tisieren hat, obgle­ich es gewiss in vie­len Einzel­heiten noch Verbesserungspoten­zial gibt. Vielmehr ist das Peer-Review –Ver­ahren ger­ade in der Wis­senschaft ja sehr gut etabliert und hilft bei der Entwick­lung weiter. Ich stimme Jan völ­lig im Punkt von Inter­essensla­gen als wesentlichem Handy­cap zu. Zu junge junge richgig strenge Jacke: Gibt’s hier im Netz nicht auch Kor­rek­tur durch Peers? z.B. Ex-Post-Kontrolle durch Peers, der einen dazu bewegt, Unklarheiten zu beseit­i­gen, Fehler zu kor­rigieren usw, weit­ere Aspekte zu berück­sichti­gen usw.

    Ist man denn beim Bloggen

    14. Dezember 2006 um 00:45
  • Weltenkreuzer sagt:

    @JanSchmidt (Nr. 3): Völ­lig richtig. Es ging mir im Beitrag um “objek­tive” Vorteile des aktuellen Pub­lika­tion­ssys­tems. Damit, dass es andere fak­tis­che Gründe gibt, stimme ich vol­lkom­men überein.

    14. Dezember 2006 um 01:29

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