Der Wandel der Rollenbilder von Männern und Frauen ist schon seit langem ein wichtiges Thema in Wissenschaft und Gesellschaft. Es geht darum, dass sich Frauen aus ihrer klassischen Rolle als “Heimchen am Herd” lösen sollen und genauso am gesellschaftlichen Leben partizipieren können wie Männer. Ein gutes Ziel, ein wichtiges Ziel, aber irgendwie läuft da gerade in Deutschland noch einiges schief.
Auf die Unsinnigkeit der Form, in der die Debatte immer noch geführt wird, hatte ich an anderer Stelle schon hingewiesen (Mann und Frau – eine unendliche Geschichte…), eine aktuelle Studie der Bertelsmannstiftung, über die die SZ berichtet, erlaubt nun neue Einblicke in die paradoxen Konsequenzen der klassischen Familienförderung. Der Tenor: dadurch, dass es für Frauen mittlerweile zahlreiche Angebote gibt, die es ihnen erleichtern, Kind und Beruf miteinander zu verbinden, ist für Paare der Anreiz mittlerweile sehr groß, dass auch tatsächlich die Frau die Auszeit nimmt und in das klassische Rollenbild fällt. Auf eine Elternzeit des Vaters sind die meisten Unternehmen nicht eingestellt, es gibt kaum Beratungsangebote für Männer, die eine Familienauszeit nehmen und auch der Wiedereinstieg und der Karriereschaden nach der Auszeit ist für Männer deutlich schwerer bzw. größer als für Frauen. Als “vernünftiges” Paar ist es demnach also sogar sinnvoll (!), sich auf das überholte Rollenbild zurückzuziehen.
Die einseitige Betonung der Frauen führt dazu, dass in der Debatte ein künstlicher Gegensatz zwischen “Mann” und “Frau” aufgebaut wird. Dadurch, dass es “Frauenbeauftragte” und “feministische Referate” gibt, wird die Geschlechtertrennung nicht aufgehoben, sondern verstärkt. So wird die dringend notwendige Debatte darüber verhindert, wie wir unsere Gesellschaft strukturieren wollen und wie Beruf und Famile vereinbar gemacht werden sollen – unabhängig vom Geschlecht.

3 Kommentare bisher
21:55 Uhr
Du schreibst: “Die einseitige Betonung der Frauen führt dazu, dass in der Debatte ein künstlicher Gegensatz zwischen “Mann” und “Frau” aufgebaut wird. Dadurch, dass es ‘Frauenbeauftragte’ und ‘feministische Referate’ gibt, wird die Geschlechtertrennung nicht aufgehoben, sondern verstärkt. So wird die dringend notwendige Debatte darüber verhindert, wie wir unsere Gesellschaft strukturieren wollen und wie Beruf und Famile vereinbar gemacht werden sollen – unabhängig vom Geschlecht.”
Lässt sich im Umkehrschluss sagen, dass die Nichtexistenz von “Frauenbeauftragte” und “feministische Referate” dazu geführt hätte, dass es die geschilderten Problem nicht gäbe? Doch ganz sicher nicht; im Gegenteil, die (Verhandlungs-)Position von Frauen wurde gestärkt. Das zentrale Argument ist doch der nach wie vor höhere Marktwert der Männer und — in dem Fall hat Gery Becker recht — es ist rational (maximiert die Nutzenfunktion des HH), wenn die Frau am Herd bleibt. Man müsste also (unter anderem) die relativen Einkommensvorteile der Männer angehen…
Dass sicherlich auch fehlende betriebliche Strukturen (und Routinen) eine Rolle spielen, sei unbelassen. Auch möchte ich gar nicht abstreiten, dass nach wie vor eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Paaren eine traditionale Form der Arbeitsteilung bevorzugt.
Permalink23:03 Uhr
Ich behaupte nicht, dass Frauenbeauftragte etc. nicht durchaus positive Entwicklungen vorangebracht hätten. Aber dadurch, dass diese Ebene im Diskurs in meinen Augen immer noch dominiert, verstärkt sie die Kategorien “Männer” und “Frauen” und schafft eben einen Antagonismus, der einen produktiven Diskurs verhindert.
Und schließlich hat diese Einseitigkeit eben genau zu diesen doch etwas “perversen” Anreizstrukturen geführt.
Permalink11:22 Uhr
Und was schlaegst du zur Verbesserung dieses Missstands vor?
PermalinkDoch eine weiterhin starke Foerderung von Frauen – und dabei ein Ausbau der “Maennerfoerderung”, wenn es um Familie geht, oder?