Weltenkreuzer

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Die Funktion der Medien

Das Han­dels­blatt veröf­fentlicht einen Essay über das verän­derte Selb­st­bild der Jour­nal­is­ten in Deutsch­land. Dabei stellt der Autor (Frank A. Meyer, Jour­nal­ist des Schweizer Ringier-Verlages) fest, dass sich die Rolle der Medien als “Ver­mit­tler […] von Mei­n­un­gen und Stim­mungen und Nöten und Freuden” immer mehr wan­delt hin zu einer selb­stre­f­eren­ziellen Sichtweise. Der Jour­nal­ist ist nicht mehr die Stimme der Schwachen und Kon­tolleur der gesellschaftlichen Insi­tu­tio­nen, son­dern er wird zunehmend sel­ber zum Teil einer Insti­tu­tion, die dem Bürger gegenüber­tritt. Meyer geht sogar so weit, zu war­nen: “Wir sind auf dem besten Weg, eine Kaste zu wer­den. Und die eherne Regel jeder Kaste heißt: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.”

Betra­chtet man diese Argu­men­ta­tion aus sozi­ol­o­gis­cher Sicht, zeigt sich, dass der Prozess, den Haber­mas “Die Kolo­nial­isierung der Lebenswelt durch die Sys­teme” nennt, also das immer stärkere Ein­fließen sys­temis­cher Kri­te­rien (Geld, Macht, Quote…) in die nicht-systemische Lebenswelt, die es uns überhaupt erst ermöglicht, miteinan­der zu inter­agieren, immer weiter fortschreitet.

Aus funk­tio­nial­is­tis­cher Per­spek­tive lässt sich fest­stellen, dass gesellschaftliche Sub­sys­teme wie die Medien, aber auch die Poli­tik und die Wirtschaft, immer weniger ihre eigentliche, sozial-integrative Funk­tion erfüllen, son­dern immer mehr zum Selb­stzweck wer­den. Die Frage ist, wie lange das gut geht, bis entweder Gesellschaften desin­te­gri­eren oder die Legit­im­ität dieser Insi­tu­tio­nen von anderen Insti­tu­tio­nen infrage gestellt wird.

(Link­tipp via Indiskre­tion Ehren­sache)

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