Die Blüten der Konsumgesellschaft

Nach einer langen Pause beginne ich das neue Jahr gleich mal mit einer Quizfrage:

Welches Getränk ist gesund, sauber, kalorienarm und dabei auch noch konkurrenzlos günstig?

Die Antwort darauf ist ganz einfach: Leitungswasser. Doch auch wenn es anscheinend alle Eigenschaften besitzt, die man von einem alltagstauglichen Getränk erwarten kann, scheint es sich in Deutschland und einigen anderen Ländern nur mäßiger Beliebtheit zu erfreuen. Lieber schleppen wir “Mineralwasser” in PET-Flaschen in den dritten Stock, anstatt den Hahn aufzudrehen und ein Glas frisches Wasser zu bekommen. Warum?

Leitungswasser ist nicht sexy… Es hat keine Bedeutung und keinen Wert. Es ist für uns selbstverständlich und kaum dazu geeignet uns besondere Freude zu bereiten. Im Gegenteil: Leitungswasser verwenden wir für die Toilettenspülung, zum Geschirr spülen, kochen und bestenfalls zum Zähne putzen. Aber trinken? Wo es doch so viele gesunde, abgefüllte Wässerchen gibt. Vittel, Volvic, Gerolsteiner und wie sie alle heißen. Diese Wasser passen besser in unsere moderne Konsumkultur, weil sie mit Bedeutung aufgeladen sind. Alleine schon, dass sich jemand die Mühe macht, das Wasser abzufüllen und in Supermärkten zu verkaufen muss doch heißen, dass es etwas besonderes darstellt, oder? Und wenn die Werbung ihr übriges tut, uns einzureden, jenes Wasser sei besonders gesund und ein anderes besonders belebend, ist es kein Wunder, dass das Leitungswasser unbeachtet in den Rohren bleibt.

In den USA gibt es jetzt eine Initiative, deren Ziel es ist, Leitungswasser als Marke zu etablieren und so die Wasser-Unternehmen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Wer dem Leitungswasser ein Image gibt und es mit Bedeutung auflädt, der holt es aus der Anonymität und macht es sichtbar und, wer weiß, vielleicht entdecken ja wirklich mehr Leute, wie einfach sie ihren Durst stillen können. Ich bin jedenfalls seit einigen Monaten überzeugter Kranwassertrinker.

(Quelle: Werbeblogger – Branding für Leitungswasser)

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Ein Kommentar bisher


  1. 20. Februar 2008
    21:13 Uhr

    Der Artikel spricht mir echt aus der Seele. Ich verstehe es auch nicht, warum in Ländern wie Deutschland, wo das Leitungswasser besser kontrolliert ist als manches Mineralwasser, Menschen Geld für stilles Wasser in Flaschen ausgeben. Ich selber trinke zwar selten aus der Leitung, weil ich Getränke mit Geschmack lieber habe. Aber wenn man im Sommer nach Hause kommt, gibt es doch nichts Schöneres, als Gesicht, Hände und Mund unter den Wasserhahn zu halten …

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  • Nils Müller

    Ich bin als denkender Mensch, Soziologe, Internet-, Bücher- und Kinofan im Netz und im Leben aktiv. Hier teile und diskutiere ich meine Gedanken mit euch. Lest einfach los, hinterlasst mir Kommentare oder schreibt mir Mails. Mehr über mich gibt es auf nilsmueller.info und mehr von mir auf der kritischen Seite und bei Twitter.
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