Die Akademikerquote und der Standort Deutschland
Running away from the City by photos71
Das Umbauprogramm setzt auf mehr Betreuung, schnellere Studienabschlüsse, deren internationale Vergleichbarkeit und höhere Mobilität. Vor allem aber setzt es auf etwas, das nirgendwo ausgesprochen wird: auf Dequalifizierung.
So schreibt es Julian Nida-Rümelin in seinem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (Der nächste Bildungsnotstand). Er argumentiert, dass der geplante Anstieg der Studierendenzahlen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, sowie der Umbau der Abschlüsse auf das "internationale" Bachelor-/Master-System gravierende Folgen für den Bildungs- und damit auch den Wirtschaftsstandort Deutschland haben wird. Das zentrale Problem: Die Kapazitäten an den Hochschulen reichen nicht aus, um die heutigen Studenten angemessen zu betreuen, von einer intensiveren Betreuung oder einem signifikanten Anstieg der Studentenzahlen ganz zu schweigen. Er rechnet, dass ungefähr eine Verdreifachung (!!!) des akademischen Personals nötig wäre, um die gesteckten Ziele zu erreichen und aus meinen eigenen Beobachtungen kann ich diese Ansicht durchaus bestätigen.
Die deutschen "Bildungs"politiker, die einen Anstieg der Akademikerzahlen fordern, übersehen eine der großen Stärken des deutschen Bildungssystems: Die berufliche Ausbildung. Gibt es in den angelsächsischen Ländern zumeist nur die Wahl zwischen akademischer Ausbildung und einer angelernten Arbeit, ermöglichen es die deutschen Berufsausbildungen auch Nicht-Akademikern einen Bildungsabschluss zu machen, der weit über dem allgemeinen Schulabschluss liegt und der sie für anspruchsvolle und spezialisierte Aufgaben qualifiziert. In die Akademikerzahlen in Deutschland müssen demzufolge auch alle Bürokaufleute, Schlosser, Fachinformatiker und Hotelkaufleute aufgenommen werden (siehe auch Mal wieder ein OECD-Bildungsbericht ).
Diesen Berufsgruppen ist es zu verdanken, dass Deutschland trotz seiner Bildungsmisere wirtschaftlich immer noch mithalten kann. Der Mittelstand und die gut ausgebildeten Facharbeiter sind es nämlich, die, in meinen Augen, dieses System am Laufen halten.
(via Speybridge)






