Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

DGS: Stammesgemeinschaften und Markencommunities

Dass in der heuti­gen Welt kein Platz mehr ist für tra­di­tionelle Gemein­schafts­for­men wie den Stamm, das Dorf, die Fam­i­lie oder die Nation scheint in der Sozi­olo­gie mit­tler­weile mehr oder weniger beschlossene Sache zu sein. Doch wie Wolf­gang Gab­bert am Beispiel Mex­i­cos aufzeigt, führt auch ger­ade die Mod­ernisierung in eini­gen Regio­nen dazu, dass sich Grup­pen von Men­schen auf der Grund­lage tra­di­tionaler Kri­te­rien, wie Abstam­mung oder Heimat, bilden. So gren­zen sich Migranten aus einer bes­timmten Region in Mexiko durch ihre Herkunft von US-Amerikanern und auch anderen Mexikan­ern ab und schaf­fen durch die Rück­bindung an ihre Heimat­dör­fer auch dort ein Iden­titäts­ge­fühl, das auf einer gemein­samen Abstam­mung bzw. Herkunft basiert.

Dass es aber auch dur­chaus mod­erne oder sogar post­mod­erne For­men der Gemein­schafts­bil­dung gibt, zeigen Ronald Hit­zler und Michaela Pfaden­hauer auf, wenn sie “post­tra­di­tionale Gemein­schaften” in den Blick nehmen. Diese Gemein­schaften zeich­nen sich zwar durch eine emo­tionale Verbindung und wech­sel­seit­ige Sol­i­dar­ität aus, unter­schei­den sich jedoch deut­lich von tra­di­tionalen Gemein­schaften:  So basieren sie nicht auf “ange­bore­nen” Merk­malen wie Wohnort, Abstam­mung oder Reli­gion und begleiten den Men­schen über sein gesamtes Leben und in allen Lebens­bere­ichen, son­dern beruhen vielmehr auf einer frei­willi­gen Entschei­dung des Einzel­nen, sich für eine begren­zte Zeit einer Gemein­schaft anzuschließen und so eine bes­timmte Iden­tität anzunehmen. Als Beispiel ließen sich hier Markenge­mein­schaften nen­nen, die sich um ein Pro­dukt oder eine Marke herum bilden (z.B. Apple, Opel…) und die dem Einzel­nen dann Ori­en­tierung für einen gewis­sen Lebens­bere­ich bieten. Gle­ichzeitig sind diese Gemein­schaften nicht so bindend wie tra­di­tionale Gemein­schaften, da man sie jed­erzeit und ohne Sank­tio­nen befürchten zu müssen ver­lassen kann, um sich anderen Grup­pen anzuschließen.  

Das Kern­prob­lem bei der Entwick­lung von mod­er­nen For­men der Verge­mein­schaf­tung ist, dass diese in einem Para­dox gefan­gen sind: Ein­er­seits sollen sie ihren Mit­glieder ein Gefühl der Zuge­hörigkeit ver­mit­teln und Ori­en­tierun­gen und Inter­pre­ta­tion­s­muster anbi­eten, ander­er­seits dür­fen sie aber auch die Frei­heit des Einzel­nen nicht zu sehr ein­schränken. Welche dauer­haften For­men sich hier schließlich her­aus­bilden und ob diese in der Lage sind, eine mod­erne Wirtschaft und Demokratie zu tra­gen, bleibt abzuwarten.

Be Socia­ble, Share!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*