Weltenkreuzer

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DGS: Soziologische Theorie und ihre praktische Umsetzung

Sozi­ol­o­gis­che Forschung ist groß darin, gesellschaftliche Entwick­lun­gen zu beobachten und sie mit wis­senschaftlichen Begrif­fen zu beschreiben und zu analysieren. Was sie jedoch oft­mal außer acht lässt, ist der Ein­fluss den diese Entwick­lun­gen auf das konkrete Leben der Men­schen haben. Zwar ist der sozi­ol­o­gis­chen The­o­rie bewusst, dass gesellschaftliche Struk­turen nur durch die Men­schen, die sie repro­duzieren aufrecht erhal­ten wer­den kön­nen, in der Forschung­spraxis wird diese Verbindung jedoch oft­mals vernachlässigt.

Am Beispiel der “Prekarisierung” der Beschäf­ti­gungssi­t­u­a­tio­nen durch immer mehr befris­tete Verträge, einen fordern­den Wohlfahrtsstaat und zunehmende “Eigen­ver­ant­wor­tung” und den damit ver­bun­de­nen Wan­del der Geschlechter­rollen hat Irene Dölling in ihrer Mit­tagsvor­lesung aufgezeigt, dass Men­schen gesellschaftliche Verän­derun­gen nicht in wis­senschaftlichen Begrif­fen wahrnehmen, son­dern sie vielmehr vor dem Hin­ter­grund ihres eige­nen Wis­sens und ihrer eige­nen Erfahrun­gen inter­pretieren. Es kommt dem­nach sel­ten zu der the­o­retisch vorherge­sagten Reak­tion, son­dern vielmehr entwick­elt jedes Indi­viduum einen eige­nen Umgang mit den Verän­derun­gen in seinem Umfeld. Es muss also darum gehen, nicht nur Erk­lärun­gen auf der Makro-Ebene zu liefern, son­dern auch die indi­vidu­ellen Reak­tio­nen auf die Verän­derun­gen the­o­retisch zu konzep­tion­ieren. Denn im End­ef­fekt sind es die Men­schen und nicht die Sozi­olo­gie, die neue gesellschaftliche Struk­turen erzeugen.

Dieser Ansatz einer “prax­e­ol­o­gis­chen Sozi­olo­gie”, die das konkrete Han­deln der Men­schen in den Blick nimmt, inter­essiert mich schon seit einiger Zeit und wird aller Voraus­sicht nach eine wichtige Rolle in meinem Dis­ser­ta­tion­spro­jekt spie­len, das ich momen­tan konzip­iere. Darüber wird es hier also wahrschein­lich noch so einiges zu lesen geben.

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