Weltenkreuzer

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Der Tod der Zwischenhändler

Es schreit momen­tan aus allen Ecken der Medi­en­welt: “Im Inter­net wer­den die Urhe­ber­rechte mit Füßen getreten!”, “Nie­mand ist mehr bereit für Musik/Filme/Zeitungen/Bücher zu bezahlen!” oder auch “Das Inter­net wird zum Unter­gang der Kul­tur führen!” Betra­chtet man diese Schreie jedoch mal genauer, stellt man meist fest, dass sie sel­ten von denen stam­men, in deren Namen sie erfol­gen, näm­lich von den Urhe­bern. Sie sind vielmehr der Auf­schrei einer Branche, für das Inter­net mit seinen kurzen und direk­ten Kom­mu­nika­tion­swe­gen eine fun­da­men­tale Bedro­hung darstellt: Die Zwischenhändler.

Klas­sis­cher­weise hat der Zwis­chen­händler im wirtschaftlichen Prozess zwei konkrete Funk­tio­nen, die er sich zurecht bezahlen lassen kann:

  • Für den Pro­duzen­ten eines Guts (sei es ein Kün­stler, eine Fab­rik oder ein Land­wirt) übern­immt er den Trans­port zum Kun­den und erle­ichtert des dem Pro­duzen­ten so, seine Waren abzuset­zen. Auch kann er einen großen Teil des Mar­ket­ings übernehmen und damit das Pro­dukt bekan­nter machen.
  • Für den Kun­den übern­immt er es, aus der schier unüber­schaubaren Zahl von Pro­duk­ten einige auszuwählen, diese in eine Form zu brin­gen, mit der der Kunde etwas anfan­gen kann (beson­ders bei Medien rel­e­vant, auf CD bren­nen, auf Papier drucken) und sie schließlich dem Kun­den zu übermitteln.

Durch das Inter­net und die tech­nis­che Entwick­lung der let­zten Jahre und Jahrzehnte sind die medi­alen Zwis­chen­händler wie Plat­ten­fir­men und Zeitungsver­lage in ihrer klas­sis­chen Form überflüs­sig gewor­den. Ver­schiedene Entwick­lun­gen haben dazu geführt, dass es den Kun­den heutzu­tage kein Geld mehr Wert ist, für die Leis­tung des Zwis­chen­händlers zu bezahlen. Dies ist jedoch keineswegs eine “Gratis-Mentalität”, son­dern schlicht und ergreifend ein Ergeb­nis der ökonomis­chen Logik:

  • Zwar wächst die Vielfalt an Pro­duk­ten immer mehr und es wird von Tag zu Tag schwieriger, einen Überblick über die ver­füg­baren Pro­dukte zu gewin­nen, das Inter­net stellt jedoch auch jede Woche neue Tools zur Ver­fü­gung, sich in dieser Masse zu ori­en­tieren: CD-Hörproben, Preis-Suchmaschinen, Blogs mit Empfehlun­gen, Twit­ter, Seiten mit Test­berichten usw. Für jeden Bere­ich findet man heute zahlre­iche Ange­bote, bei denen man sich über neue Pro­dukte informieren kann. Nie­mand ist mehr auf einen Händler um die Ecke, den einen Experten oder den Ver­leger einer Zeitung angewiesen, aus der Vielzahl an Möglichkeiten, die für ihn rel­e­van­ten und inter­es­san­ten Dinge auszuwählen.
  • Die Inter­essen der Men­schen sind heutzu­tage viel dif­feren­zierter und indi­vidu­eller aus­geprägt als noch vor 10 oder 20 Jahren. Dadurch fällt es immer schw­erer, die Men­schen in Grup­pen einzuteilen, die sich dann als homo­gene “Ziel­grup­pen” bewer­ben lassen. Aus diesem Grund kann ein einzel­ner Ver­lag oder eine Plat­ten­firma kaum noch die Auswahl für ihre Kun­den übernehmen. Diese sind mit­tler­weile daran gewöhnt, sich ihren Medi­en­mix selbst zusam­men­zustellen und akzep­tieren eine fremdges­teuerte Auswahl nur noch selten.
  • Das Inter­net hat den physis­chen Ver­trieb von Medi­en­trägern aller Art (CDs, Zeitun­gen usw.) überflüs­sig gemacht. Musik-CDs müssen nicht mehr gebrannt und über die Plat­ten­lä­den des Lan­des verteilt wer­den. Sie müssen “nur” noch pro­duziert und auf einem geeigneten Server bere­it­gestellt wer­den. Auch für diese Dien­stleis­tung der Zwis­chen­händler sind die Kun­den dem­nach nicht mehr zu zahlen bereit.

Die Zwis­chen­händler sehen sich durch das Inter­net also tat­säch­lich in ihrer Exis­tenz bedroht. Dabei liegt dies nicht daran, dass sie sich bisher als unfähig erwiesen haben, die Logik des Inter­net zu ver­ste­hen und sie in ihr Geschäftsmod­ell einzubauen. Sie wer­den durch das Inter­net und die tech­nis­che Entwick­lung schlicht und ergreifend überflüs­sig gemacht. Ihre einzige Chance zu überleben, sehe ich darin, dass sie dieser Entwick­lung in die Augen schauen und ihre Geschäfte in die Bere­iche des Medi­en­mark­tes ver­lagern, in denen noch Geld zu ver­di­enen ist: Mar­ket­ing, “Scout­ing”, Pro­duk­tion und das Endkundengeschäft.

Was meint ihr, wo gibt es für Zwis­chen­händler noch einen Platz in der dig­i­talen Ökonomie?

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Kategorie: Gesellschaft

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