Wir tun einem Menschen nichts gutes, wenn wir ihm jede Herausforderung ersparen. (Joachim Gauck)
Ich habe das Gefühl, dass wir in den letzten Jahren immer mehr dazu übergangen sind, alles möglichst so zu organisieren und zu planen, dass es möglichst einfach wird. Sei es in der Schule oder an der Universität, in der Politik oder den Zeitungen: Alles muss möglichst einfach, möglichst leicht und ohne große Schwierigkeiten zu verstehen oder zu erreichen sein. Der Weg am besten vorgezeichnet und ohne Widersprüche. Alles klar definiert und kleinschrittig festgehalten, damit auch ja niemand an einer Aufgabe scheitert.
Dabei geht etwas fundamental Menschliches verloren: die Lust an der Herausforderung. Die Lust daran, die eigenen Leistungsgrenzen zu erkunden, sie zu erweitern und eben manchmal auch zu scheitern. Es gehört dazu, sich eine Aufgabe zu stellen, von der man eben nicht weiß, ob man ihr gewachsen ist, und dann zu versuchen, sie zu erfüllen. Stattdessen kommt der Ruf nach Hilfe. Sei es bei einem Freund, der Familie oder dem Staat. Klar, in manchen Situationen ist man tatsächlich auf diese Hilfe angewiesen, oft ist es aber die Mischung aus Faulheit und mangelndem Selbstvertrauen, die uns daran hindert, solch schwierige Aufgaben selbst anzugehen. Dabei ist das der einzige Weg, persönlich zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Wer die Herausforderung scheut, tritt auf der Stelle und bewegt sich nicht. Er verharrt im Bestehenden und verpasst es, sein Leben zu leben. Er stagniert.
Und deshalb müssen wir in unserer Gesellschaft wieder einen Platz für Herausforderungen schaffen. Wir müssen den Menschen das Gefühl geben, dass sie sich etwas trauen können. Wir dürfen nicht über gescheiterte Existenzen lästern, sondern müssen Experimente und Anstrengungen belohnen. Wir müssen denjenigen, die etwas versucht haben und damit gescheitert sind, Mut zusprechen, es erneut zu versuchen. Hilfe muss in fast allen Fällen Hilfe zur Selbsthilfe sein.

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