Weltenkreuzer

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Bildungsreform die 164.

Mal wieder machen Forderun­gen zur Reform des deutschen Bil­dungssys­tems die Runde. Ein Gremium von hochrangi­gen Pro­fes­soren (darunter der Leiter der IGLU-Grundschulstudie Wil­fried Bos und der Leiter des Cen­trum für Hochschu­len­twick­lung Detlef Müller-Böling) hat auf Ini­tia­tive der Vere­ini­gung der Bay­erischen Wirtschaft ein Gutachten ver­fasst, dass mit radikalen Forderun­gen Aufmerk­samkeit erreicht:

  • Zusam­men­le­gung von Haupt– und Realschule
  • Pflicht zur Fort­bil­dung für Lehrer
  • Zeitliche Befris­tung von Lehrerverträgen
  • Pri­vate Träger­schaft der Schulen
  • Kinder­gartenpflicht ab einem Alter von vier Jahren

Meine Mei­n­ung zu diesen Forderun­gen ist gespalten:

Die Zusam­men­le­gung von Haupt– und Realschulen ist in meinen Augen auf jeden Fall ein wichtiger Schritt, um die Selek­tiv­ität des deutschen Bil­dungssys­tems zu ver­ringern. Sie alleine greift allerd­ings zu kurz. Warum soll das Gym­na­sium als explizite Schul­form erhal­ten bleiben? Das Haupt­sr­gu­ment hier ist, dass gute Schüler unter­fordert und schlechte Schüler überfordert sein wür­den. Woher kommt eigentlich diese Ver­mu­tung? Wirk­lich gute Schüler sind auch auf dem Gym­na­sium unter– und wirk­lich schlechte auch auf der Hauptschule überfordert. Aber ich wage zu bezweifeln, dass dies unbe­d­ingt an den Schülern liegen muss. Schulis­che Leis­tung ist der­maßen kom­plex, dass ich nicht glaube, dass irgend­je­mad vorher­sagen kann, wie sich ein schlechter Hauptschüler entwick­elt hätte, wenn er stattdessen auf eine Gesamtschule gegan­gen wäre. So wür­den auch Schüler aus “bil­dungs­fer­nen” Fam­i­lien durch ihre Schul­fre­unde und Klassenkam­er­aden ein wenig näher an die Bil­dung heran geführt. Anson­sten bilden sich Cliquen von Hauptschülern, Cliquen von Realschülern und Cliquen von Gym­nasi­as­ten. Soziale Durch­läs­sigkeit adé!

Wann begreifen Poli­tiker und Bil­dungs­forscher endlich, dass es in der Schule nicht nur um Wis­sensver­mit­tlung, son­dern auch um Per­sön­lichkeit­sen­twick­lung und soziale Posi­tion­ierung geht? Dass Schule nicht nur Fak­ten– und Meth­o­d­en­wis­sen ver­mit­telt, son­dern dass sie auch, und in meinen Augen vor allem, die Schüler für das Leben nach der Schule prägt und deshalb soziale Kom­pe­tenz erzeu­gen muss?

Natür­lich soll­ten Fort­bil­dun­gen für Lehrer Pflicht sein. Jeder Arbeit­nehmer wird von seinem Arbeit­ge­ber hin und wieder dazu verpflichtet, sich neue Ken­nt­nisse anzueignen damit er weit­er­hin effek­tiv und effizient arbeiten kann. Warum sollte das nicht auch für Lehrer gel­ten? Es gibt genug Bere­iche der Päd­a­gogik und Didak­tik, in denen im Laufe der Zeit neue wis­senschaftliche Erken­nt­nisse entwick­elt wer­den, warum sollen diese erst durch die junge Gen­er­a­tion in den Schul­dienst einge­bracht wer­den kön­nen? Zudem sind auch die Wis­senschaftler auf das Fee­back von erfahre­nen Lehrern angewiesen.

Die zeitliche Befris­tung von Lehrerverträ­gen halte ich für unsin­nig. Es sollte allerd­ings ein­facher wer­den, unfähige Lehrer aus diesem Beruf zu entfernen.

Auch die pri­vate Träger­schaft würde dem deutschen Schul­sys­tem auf lange Sicht nicht nutzen. Der Staat sollte den Schulen allerd­ings mehr Frei­heiten in der Gestal­tung geben. Denn nur so kann Inno­va­tion entste­hen und dadurch die Aus­bil­dung der Schüler besser wer­den. Gle­ichzeitig wäre es aber wichtig, die Macht­po­si­tion des Schulleit­ers in dieser Hin­sicht einzuschränken und einen Rat aus Lehrer-, Schüler– und Eltern­vertretern in die schulis­chen Entschei­dung­sprozesse stärker einzubeziehen.

Der Kinder­gartenpflicht stehe ich zwieges­pal­ten gegenüber. Ein­er­seits würde eine solche auch Kindern aus “bil­dungs­fer­nen Schichten” die Chance geben, frühzeitig den Wert von Bil­dung zu erken­nen und ihnen den Start in die Schule sehr stark vere­in­fachen. Ander­er­seits sträube ich mich gegen eine Verpflich­tung zu “Ringelpiez mit Anfassen” und gemein­schaftlichem “Blu­men malen”. Meine Idee an dieser Stelle wäre, Kinder nicht erst mit sechs, son­dern bere­its mit fünf Jahren einzuschulen. Die Gestal­tung der ersten Jahre Grund­schule ist, in meiner Erin­nerung, ohne­hin nicht viel mehr als ein Kinder­garten mit ein wenig Wissensvermittlung.

(Quellen: Spiegel Online, FAZ.net)

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Kategorie: Gesellschaft

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