Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

Jörg Jaksche: Respekt!

Nach­dem in den Medien und im Inter­net zurecht viel auf Skan­dalen, Fehlern und men­schlichen Schwächen herumgerit­ten wird, werde ich ab jetzt ver­suchen, jede Woche einen Men­schen vorzustellen, der in meinen Augen Respekt ver­di­ent hat. Das kön­nen Bekan­nte oder Unbekan­nte sein, Junge oder Alte, Reiche oder Arme. Sie haben nur eines gemein­sam: Sie haben etwas gesagt oder getan, von dem ich meine, dass es Respekt verdient.

Jörg Jaksche:

Im Juni 2007 ges­tand der Profi-Radfahrer dem Spiegel, dass er jahre­lang gedopt habe. Er ging sogar noch weiter und berichtete von einem fest instal­lierten Dop­ingsys­tem inner­halb seines Rennstalls und von Dro­hun­gen des Dänen Bjarne Riis, falls Jaksche im Rah­men seines Dop­inggeständ­nisses Namen nenne. Jaksche ließ sich jedoch nicht davon abhal­ten und hat dies nun mit dem Ende seiner Kar­riere bezahlen müssen. In einem Inter­view mit der Süd­deutschen Zeitung sagt er lap­i­dar: “Ich habe kein Team gefun­den. Man will mich nicht mehr.”

Auch wenn man ihm vor­w­er­fen kön­nte, seine Beichte sei aus Kalkül geschehen, um seine eigene Sperre zu verkürzen, so muss Jaksche bere­its vorher gewusst haben, dass er, wenn er das “Kartell des Schweigens” bricht, aus dem Profi-Radsport als Paria aus­gestoßen wird. Er hat dies in Kauf genom­men und kann nun, zumin­d­est im Hin­blick auf das Dop­ing, zurecht von sich behaupten: “…dafür kann ich jetzt als einer der weni­gen aus der Szene aufrecht durchs Leben gehen.”

Aufrecht durch das Leben gehen. Ein Thema, das alleine einen eige­nen Blog wert wäre.…

Kreatives Wegenetz

Eigentlich ist heutzu­tage ja Spezial­isierung gefragt. Sachver­halte wer­den immer unüber­sichtlicher und Zusam­men­hänge immer kom­plexer, sodass nur ein echter Experte noch durch­blickt. Dass kreatives Quer­denken auch heutzu­tage — und vielle­icht auch ger­ade heutzu­tage — noch seine Berech­ti­gung hat, zeigt die Idee, Rad­wege durch Num­mern an Abzwei­gun­gen zu kennze­ich­nen. Keine Karten mehr, nur noch eine Reihe von Num­mern auf einem kleinen Zettel oder der Hand. Dieses Sys­tem findet sich in der bel­gis­chen Prov­inz Lim­burg und ist eine Übertra­gung der Wege­markierung in Berg­w­erken unter Tage.

Cle­vere Idee, auch wenn mich das Ganze ein wenig an die Far­ben und For­men erin­nert, durch die in Deutsch­land Wan­der­wege gekennze­ich­net sind, und mit deren “Hilfe” ich mich in der Fränkischen Schweiz schon­mal heftig ver­laufen habe… ;-)

Und was kostet Tee?

Manch­mal sind es die kleinen Fra­gen des All­t­ags, mit denen man sich man etwas genauer beschäfti­gen sollte: Tee gilt all­ge­mein ja als preiswertes Getränk, also hab ich mal abgeschätzt, was mich ein Liter Tee tat­säch­lich kostet.

Tee­beu­tel:

Nimmt man nicht den bil­lig­sten und will auch mal unter­schiedliche Sorten aus­pro­bieren, kommt man im Super­markt um die Ecke auf ca. 1,80€ für 20 Tee­beu­tel (eher weniger), also 9ct für einen Beu­tel. Nor­maler­weise mache ich in eine Kanne Tee (1,5l) 3 Beu­tel, komme also auf einen Tee-Preis von 18ct pro Liter.

Strom:

Tee braucht kochen­des Wasser, und der Wasserkocher ver­braucht Strom. Mein Wasserkocher hat, laut Etikett, eine Leitungsauf­nahme von 2200 Watt. Wenn er also 4.5 Minuten (gemessen) braucht, um 1,5 Liter kaltes Leitungswasser zum Kochen zu brin­gen, entspricht das 0,075h * 2,2 Kilo­watt = 0,165 kWh. Bei einem Preis von 20,47ct pro KWh (Home­page meines Stro­man­bi­eters) macht das 3,37ct für 1,5 Liter, also Stromkosten von 2,24ct pro Liter

Wasser:

Fehlt schließlich noch der eigentliche Durst­stiller, das Wasser. Ein Kubik­me­ter kostet mich, laut Home­page, 1,42€. Ein Liter demzu­folge ein Tausend­s­tel davon, also 0,14ct pro Liter

Macht, schlussendlich, knapp 20,4ct (inkl. Mwst.) für einen Liter Tee. Den größten Anteil daran macht der eigentliche Tee aus, gefolgt vom Strom und schließlich dem Wasser.

Wer dem­nächst im Café den Preis für sein Kän­nchen Tee drücken will, kann sich gerne meiner Beispiel-Rechnung bedi­enen. Aber bitte daran denken, dass da auch noch Per­sonal für Zubere­itung, Ser­vice, Kassieren und Spülen, sowie Spül­wasser mit­berech­net wer­den müssen… ;-)

Dinge gut machen

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fällt immer mehr auf, dass es oft, vielle­icht zu oft, darum geht, Dinge “irgend­wie” zu tun. Sätze wie “Ich muss das noch irgend­wie hin­bekom­men.”, “Schaf­fen Sie das irgend­wie bis mor­gen Abend?” oder “Ich schaff das schon irgend­wie” gehören heutzu­tage zum All­tag. Aber sollte es nicht eigentlich viel mehr darum gehen, Dinge “gut” zu erledi­gen? Warum fehlt heute eigentlich die Zeit, Dinge wirk­lich gründlich und qual­i­ta­tiv hochw­er­tig durchzuführen? Immer mehr engen knappe Fris­ten, Überlas­tung und schlechtes Zeit­man­age­ment den Zeit­plan ein, sodass am Ende zwar vieles “irgend­wie” geschafft wird, aber nichts mehr wirk­lich “gut”.

Ist das überhaupt ein Prob­lem? Ich denke schon, denn ger­ade Kreativ­ität braucht Zeit. Um neue Wege zu ent­decken, neue Tech­niken zu entwick­eln oder beste­hende zu per­fek­tion­ieren, braucht man Zeit und die Gele­gen­heit, auf den ersten Blick unpro­duk­tive Dinge zu tun. Anson­sten kann man sich nur auf Bekan­ntes ver­lassen, von dem man weiß, dass es einem hilft, Dinge “irgend­wie” zu tun. Um Fortschritt zu erre­ichen, egal ob in der Gesellschaft oder für den Einzel­nen, ist diese Kreativ­ität unab­d­ing­bar. Wer sich nur auf Etabliertes ver­lassen kann, weil ihm keine Zeit bleibt, Dinge kreativ und gut zu erledi­gen, der kann sich nicht weiter entwick­eln und ver­harrt am sel­ben Ort.

Glück ist ein komisch Ding

Dass Glück sub­jek­tiv ist und eng mit der eige­nen Ein­stel­lung zusam­men­hängt, ist mit­tler­weile fast schon ein All­ge­mein­platz. Glück ist aber noch viel sub­jek­tiver als wir all­ge­mein annehmen. Men­schen sind jedoch nicht gut darin, abzuschätzen, was sie glück­lich macht und was nicht. So zeigt Dan Gilbert in seinem äußerst sehenswerten Vor­trag bei der TED-Konferenz, dass sich Men­schen oft­mals ger­ade für die Vari­ante entschei­den, die sie im Nach­hinein unglück­licher macht:

Er präsen­tiert dazu ein Exper­i­ment, bei dem in einem ersten Schritt aufgezeigt wird, dass es sich neg­a­tiv auf das sub­jek­tive Glück­sempfinden auswirkt, eine schwere Entschei­dung rück­gängig machen zu kön­nen. Im zweiten Schritt wird dann aber gezeigt, dass sich die Mehrheit der Proban­den dazu entschließt, sich diese Möglichkeit offen zu halten.

Diese Beobach­tung lässt sich ein­fach durch die Fähigkeit des Men­schen zur Dis­so­nanzre­duk­tion erk­lären: Wenn wir eine Entschei­dung endgültig getrof­fen haben, neigen wir im Nach­hinein dazu, diese “schönzure­den” und Argu­mente dage­gen schwächer zu bew­erten, anstatt zu ver­suchen, die Entschei­dung “nachträglich” zu opti­mieren. Auch hier präsen­tiert Gilbert äußerst span­nende Exper­i­mente, die nahele­gen, dass die kein bewusster Prozess ist, son­dern vielmehr ein unter­be­wusster Automa­tismus. Daran schließt sich die Frage an, warum diese Art des “sythetis­chen Glücks” eigentlich im all­ge­meinen niedriger bew­ertet wird, als das “natür­liche Glück”, wenn man bekommt, was man sich wünscht.

Die kog­ni­tiven Dis­so­nanzen wer­den auch dann erhöht, wenn uns eine große Auswahl an Optio­nen zur Ver­fü­gung steht (siehe auch Wollen wir wirk­lich die Wahl haben?). Denn nur dann bekom­men wir das Gefühl, durch unsere Entschei­dung tat­säch­lich etwas ändern zu kön­nen und ver­suchen, sie zu “opti­mieren”. Allerd­ings überschätzen Men­schen den langfristi­gen Ein­fluss bes­timmter Ereignisse auf ihr Glück­sempfinden mas­siv und sind so nicht in der Lage, tat­säch­lich opti­male Entschei­dun­gen zu treffen.

Was ler­nen wir daraus? Auch wenn alle Men­schen nach Glück streben, sind wir  doch meis­tens selbst das größte Hin­der­nis auf diesem Weg. Dabei geht es nicht in erster Linie um Diszi­plin, soziale Kom­pen­tenz oder Kar­riere, son­dern ein­fach um die Ein­stel­lung zum Leben: Glück­lich wird man dann, wenn man aufhört es zu suchen.

29 Stunden…

..sind eine lange Zeit. Doch vor genau so vie­len Stun­den habe ich meine Fre­undin am Ham­burger Flughafen ver­ab­schiedet, von dem aus sie in ihr neun­monatiges Aben­teuer in Aus­tralien ges­tartet ist. Nun ist sie ger­ade sicher in Syd­ney gelandet und wird bes­timmt bald begin­nen, ihr Blog unter www.bettelprinzessin-auf-reisen.de weiter zu füllen, das Allen, die ihr Aben­teuer am anderen Ende der Welt ver­fol­gen möchten, ans Herz gelegt sei.

Eigene Meinung” — Was ist das?

Gestern Abend im Bus. Ein Mäd­chen, nen­nen wir sie Anna, vielle­icht 14 Jahre alt, erzählt ihren Freundinnen:

Boah, die Maja (Name geän­dert) hat echt keine eigene Mei­n­ung. Da war die let­ztens bei mir und ich hab ihr erzählt, dass ich let­ztens ne Shisha ger­aucht hab. Und da meint die: “Das würd ich ja nie machen. Viel zu unge­sund.” Später hab ich ihr meine neuen Schuhe gezeigt, knall­rote mit echt hohen Absätzen, und dann sagt die: “Men­sch sind die hässlich, damit würd ich nicht rausgehen”.

Danach habe ich mich gefragt, was für Anna “eine eigene Mei­n­ung zu haben” bedeutet, denn für mich hat Maja eine deut­liche eigene Mei­n­ung bewiesen, indem sie in der Sit­u­a­tion eben nicht das sozial erwün­schte “cool” oder “das will ich auch mal” geäußert hat, son­dern tat­säch­lich eine abwe­ichende Meinung.

Eine mögliche Erk­lärung wäre sehr sim­pel: Damit Anna sich nicht mit der abwe­ichen­den Mei­n­ung von Maja auseinan­der­set­zen muss und weil sie vielle­icht damit einen wun­den Punkt bei Anna getrof­fen hat, würdigt Anna Maja ein­fach pauschal ab. Klas­sis­cher Fall von Dis­so­nanzre­duk­tion: Eine, den eige­nen Überzeu­gun­gen wider­sprechende, Argu­men­ta­tion wird ver­drängt, um die eigene Mei­n­ung zu sichern.

Etwas kom­plexer wäre eine andere Erk­lärung, die mir aber plau­si­bler erscheint: Anna stört an der Mei­n­ung Majas, dass diese eine Mei­n­ung äußert, die der von Annas Eltern entsprechen kön­nte. Anna nimmt implizit an, Majas Eltern hät­ten dieselbe Mei­n­ung, Maja habe diese ein­fach übernom­men und gebe sie nun unre­flek­tiert wieder. Dem­nach ginge es Anne gar­nicht darum, dass Maja eine wirk­liche “eigene Mei­n­ung” entwick­eln solle, son­dern darum, dass Maja sich nicht aus­re­ichend von “den Eltern” oder “den Erwach­se­nen” abgrenzt. Denken und Reflex­ion sind dabei uner­wün­scht, die Mei­n­ung muss nur abwe­ichend sein, um als “eigene” zu gelten.