Weltenkreuzer

Gedanken und Fundstücke aus all meinen Welten

Open Science — Erste Gedanken

theater

Audience at a Theatre von kkessler83

So schnell kann´s gehen: da setzt man sich nichts Böses ahnend in zwei Ses­sions auf der re:publica und kommt mit einem wichti­gen neuen Impuls heraus:

Die Rede ist von den bei­den Ses­sions zu Open Sci­ence und Wis­senschafts­blog­ging am Mittwoch: In der ersten ging es primär darum, wie man uni­ver­sitäre Forschung und auch Lehre aus ihrem “Elfen­bein­turm” her­aus­lösen kann. Da ist auf der einen Seite der Weg des klas­sis­chen Wis­senschaft­sjour­nal­is­mus: Die Ergeb­nisse wis­senschaftlicher Forschung wer­den von Jour­nal­is­ten aufge­grif­fen und in eine Form gebracht, die auch dem inter­essierten (und vielle­icht etwas vorge­bilde­ten) Laien ver­ständlich ist. “Neue” For­men der Pub­lika­tion wie Blogs oder auch Twit­ter ermöglichen uns heute jedoch eine noch stärkere Öffnung: Wir als Wis­senschaftler kön­nen den Prozess unserer Forschung direkt offen legen und damit unsere Arbeit ganz anders nach außen präsentieren.

Dieser Schritt bedeutet jedoch für die Wis­senschaft einen grundle­gen­den Kul­tur­wan­del: So sieht sich die Wis­senschaft und so sehen sich Forscher immer noch gerne als Wächter über den geheimen Schatz des Wis­sens, der alleine das Recht hat, diesen zu bew­erten und zu erweit­ern. Eine Öffnung des Prozesses nicht nur gegenüber aus­gewählten Koop­er­a­tionspart­nern, son­dern zu einer bre­it­eren inter­essierten Öffentlichkeit, löst diesen Anspruch auf und wird daher — ver­ständlicher­weise — äußerst skep­tisch betra­chtet, denn das “Geheimwis­sen” wird auf ein­mal angreif­bar. Gle­ichzeitig eröffnet sich jedoch die Möglichkeit, die Wis­senschaft und ihre Pro­tag­o­nis­ten wieder näher an die Gesellschaft her­anzurücken und sie von dem Klis­chee des alten Mannes im Kit­tel zu befreien.

Als Beat­rice Lug­ger dann noch die amerikanis­che Aktion #IamScience ansprach, habe ich gemerkt, wie weit Deutsch­land auch in dieser Hin­sicht mit­tler­weile hin­ter andere Län­der und ins­beson­dere die USA zurück­ge­fallen ist. Und da ein Kul­tur­wan­del immer Men­schen braucht, die vor­ange­hen, Ideen disku­tieren und aus­pro­bieren, wird es an dieser Stelle in der näch­sten Zeit viele Gedanken zum Kozept der Open Sci­ence geben und ich werde in Zukunft auch ver­suchen, meinen Forschung­sprozess ein wenig oder auch ein wenig mehr öffentlich zu doku­men­tieren — ob an dieser Stelle oder in einem anderen For­mat sei dabei mal noch offen gelassen.

re:blick

republica

Das war sie also, meine erste re:publica: drei Tage voll­gepackt mit inspiri­eren­den Vorträ­gen, inter­es­san­ten Diskus­sio­nen und Net­zkul­tur pur. Von 10 Uhr mor­gens bis 8 Uhr abends. Auch wenn ich nicht der geborene Net­zw­erker bin, der von jeder Ver­anstal­tung mit dutzen­den neuen Kon­tak­ten nach Hause kommt, nehme ich viele Ideen und Gedanke­nanstöße mit, die ich in der näch­sten Zeit, so mich die Diss lässt, an dieser Stelle reflek­tieren und für mich einord­nen werde.

Auch wenn das vorab überhaupt nicht geplant war, hat für mich jeder der drei Tage einen gewis­sen The­men­schw­er­punkt gehabt, zu dem ich in min­destens drei Ses­sions gesessen habe: am Mittwoch war der Tag für “Wis­senschaft im Netz” mit den The­men Urhe­ber­recht in der Lehre, Open Sci­ence und wis­senschaftliches Bloggen. Am Don­ner­stag war dann das Thema “Die Zukunft des Buchs” dran, mit Ses­sions zum Urhe­ber­recht, disrup­tivem Wan­del von Geschäftsmod­ellen in der Medi­en­branche und dem Buch als Web­seite. Den Abschluss am Fre­itag machte dann die Mobil­isierung von Nutzern in den Bere­ichen Gam­i­fi­ca­tion, sozialer Wan­del und Pro­duk­ten­twick­lung.

Es fällt mir schwer, einzelne Ver­anstal­tun­gen her­auszupicken, aber ganz beson­ders unter­halt­sam und/oder inspiri­erend fand ich die Ver­anstal­tung zur Open Sci­ence, die mir wahrschein­lich in der näch­sten Zeit den meis­ten Stoff zum Nach­denken geben wird, Adam Hydes Idee vom Buch als kol­lab­o­ra­tiv erar­beit­etem Objekt, das auch nach seiner Fer­tig­stel­lung weiter wach­sen und sich anpassen kann, Jay Cousins’ Konzept der beta-World, die zum Exper­i­men­tieren und Verän­dern ein­lädt, und schließlich Michael See­berg­ers (@mspro) the­o­retisch aufwändige (und vielle­icht etwas umständliche) Her­leitung einer Def­i­n­i­tion des Konzepts “Plattformneutralität”.

Mein her­zlicher Dank geht an alle Organ­isatoren, Red­ner, Helfer und die inter­es­san­ten Men­schen, die diese Kon­ferenz zu dem machen, was sie ist.

Fassungslos

Ein Feuer­wehrmann, der ein Kind aus einem bren­nen­den Haus ret­tet, ist ein Held. Wenn er sich dabei selbst ver­brennt, ist er ein noch größerer Held. Wenn er dabei sogar selbst um’s Leben kommt, ver­leiht man ihm pos­tum einen Orden nach dem anderen.

Ein Aktivist, der Men­schen in Kriegs­ge­bi­eten dabei hilft, ihre Geschichten zu erzählen, wird nicht wahrgenom­men. Wenn er das Leid, das er tagein, tagaus miter­leben muss, nicht mehr ertra­gen kann, ist er “nicht gesund”. Und wenn er sich “erdreis­tet”, darüber zu reden, muss er sich auf dem Klo ver­stecken um zu weinen, weil er Angst vor Angrif­fen hat.

ICH FASSE ES NICHT! Ich kann ein­fach nicht begreifen, dass Men­schen, die ihr psy­chis­ches Wohl für eine gute Sache riskieren und opfern, solchen Undank ern­ten! Psy­chis­che Ver­let­zun­gen sind min­destens(!) so schlimm, wie kör­per­liche. Sie sind nicht “einge­bildet” oder ein Zeichen für Schwäche! Wer sie in Kauf nimmt, um anderen zu helfen, hat genau densel­ben Respekt und dieselbe Unter­stützung ver­di­ent, wie der oben beschriebene Feuerwehrmann!

Skoobe: Nischenprodukt oder Game Changer?

skoobe

Nach­dem ich euch vor ein paar Tagen die eBook-Flatrate von Skoobe vorgestellt habe, von der mein Leser-Ich immer noch sehr begeis­tert ist, schal­tet sich jetzt mal mein BWLer-Ich ein und fasst ein paar Gedanken zur langfristi­gen Wirtschaftlichkeit des Mod­ells eBook-Flatrate aus der Per­spek­tive des Ver­lags zusammen:

Ich hatte ja schon angedeutet, dass Skoobe für mich mit seinem langfristig geplanten Abo­mod­ell nicht inter­es­sant ist: Für 5€ pro eBook, diese nur auslei­hen und nicht dauer­haft behal­ten zu kön­nen, scheint mir ein­fach zu teuer. Auch wird mir nicht so recht klar, aus welcher Gruppe die entsprechen­den Kun­den kom­men sollen: Für solche, die bisher eBooks gekauft haben, ist der Preisun­ter­schied nicht groß genug. Auch für Papier­leser scheint mir der Anreiz auf das elek­tro­n­is­che For­mat zu wech­seln nicht aus­re­ichend, wenn man bedenkt, dass es sich um ein Abo-Modell han­delt; Gle­iches gilt für absolute Neuleser.

Erhöht Skoobe aber dauer­haft die Zahl an Büch­ern, die man sich auslei­hen kann, bleibt es für die Gruppe der Vielleser attrak­tiv, kan­ni­bal­isiert aber das Ver­lags­geschäft mit Papier­büch­ern und reg­ulären eBooks. In einer schö­nen Analyse hat der Berater Ehrhardt F. Heinold fol­gende Kri­te­rien aufgestellt, wann ein zusät­zlicher Ver­trieb­skanal für andere Kanäle gefährlich wer­den kann:

  • Überschnei­den sich die Leser­schaft z.B. von Inter­net und Print kaum, dann kann jeder Medi­enkanal so gem­anagt wer­den, als gäbe es den anderen Kanal nicht.
  • Überschnei­den sich die Leser­schaften jedoch stark, dann stellt sich die Frage, ob z.B. Print so verän­dert wer­den kann, dass es für die cross­me­di­alen User weit­er­hin Sinn macht.

Auch wenn Chris­t­ian Damke, Geschäfts­führer von Skoobe, betont, er wolle neue Leser­schaften ansprechen, ist mir bis­lang nicht klar gewor­den, wo die herkom­men sollen: Wenn das Ange­bot ger­ade für Vielleser inter­es­sant ist, überschnei­den sich die Kun­den der unter­schiedlichen Kanäle stark, sodass Kan­ni­bal­isierungsef­fekte auftreten (z.B. bei mir): Jeder Vielleser liest bere­its so viel, wie es ihm möglich erscheint. Jedes Buch, das er über einen anderen Kanal kon­sum­iert ver­braucht seine freie Zeit zum Lesen genauso wie Papier­bücher oder reg­uläre eBooks.

Leser, die bisher bere­its eBooks lesen erscheinen mir die “natür­liche” Kund­schaft für Skoobe zu sein; einge­fleis­chte Papier­leser eher weniger, auch wenn der Preisvorteil bei der unbeschränk­ten Ausleihe ein Fak­tor sein kön­nte. Auch Neuleser wer­den ver­mut­lich nicht sofort ein Abo abschließen, wenn sie mit der Kindle-Infrastruktur auch einzelne Bücher aus einem viel größeren Ange­bot bekom­men kön­nen. Bleiben Bib­lio­thek­sleser, als neue Kun­den­gruppe, doch dass diese die Kan­ni­bal­isierungsef­fekte der Vielleser auf­fan­gen kön­nen, scheint mir eher unwahrschein­lich — aber vielle­icht hat Skoobe da bessere Zahlen.

Ver­steht mich nicht falsch: Ich finde, Skoobe ist ein guter und mutiger Schritt der deutschen Ver­lage, dem ich alles Glück wün­sche. Ich sehe für die Zukunft allerd­ings nur zwei mögliche Szenarien:

  1. Einen Nis­chen­di­enst mit einer kleinen Kund­schaft oder
  2. einen Big-Player (oder zumin­d­est einen Katalysator) im deutschen Buch­markt, der die Entwick­lung hin zu preiswerten eBooks, der sich die deutschen Ver­lage bis­lang so vehe­ment ent­ge­gen­stellen, um einiges beschle­u­ni­gen wird.

Wün­schen würde ich mir Num­mer 2. Für wahrschein­licher halte ich Num­mer 1.

Skoobe: Die erste deutsche eBook-Flatrate

skoobe

Vor eini­gen Wochen überraschten Ber­tels­mann und die Ver­lags­gruppe Holtzbrinck mit der Mel­dung, eine neuar­tige eBook-Flatrate auf den Markt zu brin­gen. Es kommt schon ziem­lich überraschend, wenn deutsche Ver­lage in Deutsch­land mit einer Idee im Bere­ich eBooks schneller sind, als der in den USA dominierende Pio­nier Ama­zon. Also schnell die entspreche App auf mein iPad geladen und mich mal ein wenig umgeschaut: Für die ersten 10.000 Anmel­dun­gen gab es das Ange­bot, für ein Jahr und 10€ pro Monat beliebig viele Bücher aus dem Kat­a­log von Skoobe auszulei­hen. Ein kurzer Blick in den Kat­a­log zeigte, dass mit Heyne, Blan­valet und Bastei Lübbe auch Ver­lage an Bord sind, auf die der geneigte Fan­tasy– und Science-Fiction-Leser nicht verzichten kann, und so klickte ich mich schnell zur Anmeldung.

Screenshot des Skoobe-KatalogsEin etwas umfassenderes Rum­stöbern im Kat­a­log ergab dann zwar, dass nur ein kleiner Teil des Ange­bots der entsprechen­den Ver­lage ver­füg­bar ist, aber immer noch mehr als genug, um mich über Monate hin­weg zu beschäfti­gen. So lan­dete in den näch­sten Wochen ein Buch nach dem anderen auf meinem Pad und wurde flux wegge­le­sen: von Con­nie Willis über Neil Gaiman bis hin zu Brent Weeks. Aktuelle Romane ebenso wie mod­erne Klas­siker. Super. Skoobe hatte es zum ersten Mal geschafft, mich von deutschen eBooks zu überzeu­gen. Vorher war mir das alles zu umständlich und vor allem zu teuer: da hielt ich mich doch lieber an englis­chsprachige Bücher. Mit Skoobe machen auch deutsche eBooks auf ein­mal Spaß.

Die App ist im Grunde nichts Beson­deres: Ein Kat­a­log mit aktuell knapp 6500 Roma­nen, sowie zahlre­ichen Sach­büch­ern und Rat­ge­bern kann durch­stöbert wer­den und Leseproben ste­hen auf Fin­ger­druck bereit. Gefällt mir ein Buch, kann ich es sofort run­ter­laden und anfan­gen zu lesen. Allerd­ings sind die Möglichkeiten, sich in dem Kat­a­log zu bewe­gen, noch sehr eingeschränkt: Man kann einzelne Gen­res ansur­fen und inner­halb dieser dann nach Erschei­n­ungs­da­tum (inner­halb Skoobes), Beliebtheit und Benutzer­be­w­er­tun­gen sortieren. Diese Art der Nav­i­ga­tion stößt allerd­ings bere­its bei dem aktuellen Kat­a­log (der bisher jede Woche um gut 30 Bücher erweit­ert wurde) an Grenzen.

Screenshot der BuchanzeigeDer Leseteil der App erin­nert mich sehr an den der Kindle-App und hat eigentlich kaum Macken. Beson­ders gelun­gen finde ich, dass Skoobe an einer Anzeige von Seiten­zahlen fes­thält, die allerd­ings anders als beim Sony-Reader und auch beim Kin­dle, Bild­schirm­seiten entsprechen und sich eben anpassen, wenn man die Schrif­tart ändert. Klein, aber fein.

Der eingeschränkte Kat­a­log ist für mich bisher noch abso­lut kein Prob­lem. Selbst hier gibt schon zu viele neue und inter­es­sante Bücher, als dass man auch nur mit den Neuer­schei­n­un­gen mithal­ten kön­nte. Mir fehlt aber bis­lang die Möglichkeit, auch englis­che Bücher auszulei­hen, die noch nicht übersetzt wur­den. Aber das wird so schnell wohl lei­der nicht passieren.

Ich bin mal ges­pannt, wie lange Skoobe für mich inter­es­sant sein wird. Das Ange­bot beliebig viele Bücher pro Monat auszulei­hen war wie gesagt auf die ersten 10.000 Anmel­dun­gen und das erste Jahr beschränkt. Danach soll die Zahl auf 2 pro Monat gesenkt wer­den. 5€ pro Buch wären mir für eine reine Ausleihe dann doch zu teuer. Dafür bekomme ich englis­che eBooks gekauft und oft sogar ohne DRM.

25+ Artikel über Introversion

intro

I have a nice plan von Tolga Kostak

Nach­dem ich in den let­zten Wochen so einige Texte zum Thema “Intro­ver­sion” gele­sen habe, möchte ich euch an dieser Stelle die Ergeb­nisse meiner Recherche nicht voren­thal­ten. Da diese Texte für jeden von euch jedoch etwas Anderes bedeuten kön­nen, will ich sie an dieser Stelle nicht zusam­men­fassen, son­dern struk­turi­ert verlinken.

Zum Ein­stieg und um erst­mal eine Idee davon zu bekom­men, was “Intro­ver­sion” eigentlich bedeutet, hier ein sehr span­nen­der Vor­trag (~20 Minuten) von Susan Cain:

Weit­ere Grund­la­ge­nar­tikel findet ihr hier:

Und einen “Kurztest” gibt es hier:

Beson­ders auf­fal­l­end an intro­vertierten Men­schen ist, der Umstand, dass sie aus der Inter­ak­tion mit Anderen keine Energie ziehen, wie Extro­verts, son­dern dass sie Zeit alleine brauchen, um die Akkus wieder aufzuladen:

In einer Welt, in der es in erster Linie darauf ankommt, mit Men­schen zu inter­agieren, in Grup­pen zu funk­tion­ieren und sich aktiv durchzuset­zen, fühlen sie sich dementsprechend unwohl:

Dabei ist Intro­ver­sion keineswegs mit Schüchtern­heit gleichzusetzen:

Da sie große Grup­pen, wie sie heute in den meis­ten Kon­tex­ten nor­mal sind, anstren­gen, brauchen sie eigene Wege, Kon­takte und Net­zw­erke zu knüpfen:

Dabei sind Intro­verts keineswegs “unsozial” und mei­den andere Men­schen, sie legen lediglich mehr wert auf inten­sive Gespräche in kleinen Grup­pen als auf Action in großen:

Auch im geschäftlichen Bere­ich kön­nen Intro­verts erfol­gre­ich sein, wenn sie ihre Stärken ausspielen:

Da der Umgang mit Intro­verts für Extro­vertierte nicht immer ein­fach ist, gibt es auch hier einige Tipps und Hinweise:

Eine ständig aktu­al­isierte Liste von Links, die ihr auch per RSS abon­nieren könnt, gibt es von mir bei pinboard.in

Wer jetzt noch mehr Mate­r­ial braucht oder will, der wird hier fündig:

Die Schattenseiten des Aktivismus

bomben

This is what bombs do von ortonesque

Nach­dem ich let­zten Novem­ber große Hoff­nun­gen in den Vor­trag von Gün­ter Wall­raff gesteckt hatte und doch ziem­lich ent­täuscht wurde, hat mich Stephan Urbachs Auftritt vor­let­zte Woche wirk­lich gepackt (Her­zlichen Dank dafür an Kreativ­ität trifft Tech­nik e.V.). Urbach ist seit einiger Zeit das Gesicht der Aktivis­ten­gruppe Tele­comix, die alles dafür tun, die Auf­ständis­chen in Nordafrika und dem Nahe Osten in die Lage zu ver­set­zen, ihre Geschichten der Welt zu erzählen. Hier ist eine Aufze­ich­nung seines wirk­lich beein­druck­enden Vor­trags, den er selbst als “schw­er­sten und inten­sivsten meiner Kar­riere” beze­ich­net:

Beson­ders beein­druckt hat mich dabei fol­gende Aussage:

Men­schen die Fähigkeit zu nehmen, ihre Geschichten zu erzählen, ist eine kriegerische Handlung.

Neben der Bestürzung über das, was ger­ade in Syrien passiert, gewann der Vor­trag gegen Ende und vor Allem in der Fragerunde noch eine weit­ere melan­cholis­che Note: Es wurde nur zu deut­lich, wie sehr seine Aktiv­ität als Aktivist Stephan Urbach belastet und mit­nimmt. Auf die Frage, ob ihn all das Wis­sen und die Nähe zu dem Leid nicht belas­ten würde und ob er schon­mal darüber nachgedacht hätte aufzuhören, reagierte er mit einem “Jeden Tag” aus tief­stem Herzen.

Ich habe keine Ahnung, ob es einen Zusam­men­hang gibt, aber vor ein paar Tagen hat Stephan Urbach tat­säch­lich seinen Rück­zug aus dem aktiven Aktivis­mus bekannt gegeben. Seine Erk­lärung dafür ist so ein­fach, wie erschreckend:

The first and main rea­son is that I am not able to stand the pres­sure of knowl­edge. Knowl­edge of what is hap­pen­ing on the ground.

Her­zlichen Dank für deinen Vor­trag und deine Arbeit, Stephan!