Geniales Marketing, aber zu welchem Preis?

Das nenn ich gelungen! Die in den letzten Tagen viel diskutierte und äußerst umstrittene Organspende-Show hat sich in der letzten Minute als Fake entpuppt. Die angebliche Spenderin ist eine Schauspielerin und die kranken Teilnehmer sind zwar wirklich krank, waren aber von Anfang an darüber informiert, dass es nicht wirklich um eine Niere geht. Der Sinn des Ganzen? Aufmerksamkeit wecken und die Menschen auf die prekäre Situation in Sachen Organspende hinweisen. (Mehr dazu)

Und dieses Ziel haben die Macher der Sendung mit Bravour erreicht. Gleichzeitig haben sie der heutigen Mediengesellschaft wunderbar einen Spiegel vorgehalten: In die Medien kommt heute das Kurzfristige, das Neue, das Empörende und nicht die wirklichen Probleme und die altbekannten Tatsachen. Medien greifen Stimmungen und Trends auf und nicht echte Probleme.

Aber jetzt eine große Bitte an alle sozialen Initiativen und Medienmacher: Das funktioniert nur einmal! Wenn sich solche Tricks häufen, wird am Ende niemand mehr wissen, was echt und was gestellt ist.

Das ist auch das große Problem dieser Aktion: Sie hat eine Grenze verschoben. Nach diesem Beispiel werden vielleicht auch andere Sender auf die Idee kommen, Aufmerksamkeit zu erzeugen, indem sie bewusst Emörung erzeugen. BNN mag dies zu einem sehr guten Zweck genutzt haben, aber dass solche Manipulationen auch für weniger noble Dinge genutzt werden können sollte allen Medienkonsumenten klar sein. In Zukunft heißt es also noch genauer darauf zu schauen, was in den Medien real und was Fiktion ist, was tatsächlich Empörung verdient und was nicht. Die Öffentlichkeit, die sich gerne als Rezipient der Medien versteht und die Medien in ihren Diensten sieht, wird sich nun noch stärker fragen, wer hier eigentlich wen kontrolliert.

Übrig bleibt ein Musterstück in Sachen Massenmarketing mit einem (zu?) hohen Preis.

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  • Nils Müller

    Ich bin als denkender Mensch, Soziologe, Internet-, Bücher- und Kinofan im Netz und im Leben aktiv. Hier teile und diskutiere ich meine Gedanken mit euch. Lest einfach los, hinterlasst mir Kommentare oder schreibt mir Mails. Mehr über mich gibt es auf nilsmueller.info und mehr von mir auf der kritischen Seite und bei Twitter.
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